Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Dummheit wird noch hofiert

02.02.2020, Wolfgang Mengel, Stralsund

Blankes Entsetzen bei allen aktiven und ehemaligen Lehrern (ich gehörte auch dazu) beim Lesen des Artikels über den Vorgang am Parchimer Gymnasium! Gilt das Urteil von Fachleuten nichts mehr? Ich rede nicht von Quereinsteigern, sondern von studierten Leuten, die eine staatliche Prüfung und die Referendarzeit erfolgreich absolviert haben. Drei Germanistinnen des Gymnasiums sind unabhängig voneinander zu demselben Urteil gelangt. Beim Schulamt ist von Pädagogen die Rede, nicht von Germanisten. Wann standen diese letztmalig vor einer Klasse und für welche Fächer sind sie verantwortlich? Woher nehmen sich Schüler und Eltern heute das Recht, in das Lehrer- bzw. Prüfungskommissionsurteil einzugreifen? Steht hier die persönliche Freiheit und die Selbsteinschätzung über der schulischen Fachkompetenz? Zu meinen Zeiten wurde ein solches Urteil akzeptiert, und wir haben unseren Kindern ordentlich die Leviten gelesen. Gibt man hier nach, wird der Eigenzensierung Tür und Tor geöffnet. Und nun kommt auch noch das Ministerium ins Spiel (geleitet von einer Ministerin, die Nordamerikanistik, Politische Wissenschaften und VWL an der FU Berlin studiert hat) mit einer Anweisung an das betreffende Schulamt, die Noten anzuheben! Das ist ein Skandal ersten Ranges! Ständiges eifriges Lernen ist nun mal die Basis für künftiges Können, und dazu gehört auch, dass man mal eine Niederlage kritiklos einstecken können muss. Eine 5 im Abi oder eben andere nicht bestandene Prüfungen sind auch das Ergebnis, wenn Kinder nach Einspruch der Eltern ans Gymnasium gelangen, ohne dass eine Empfehlung der vorher besuchten Schule vorliegt. Was ist das für ein Bildungsministerium, das der ganzen Sache auch noch Vorschub leistet? Es wird doch auf oberster Bühne zelebriert, dass jeder ins Thema reinreden kann (das ist dann Demokratie!) und Beschlüsse zur Sache endlos dauern, nicht zustande kommen oder wenn doch, butterweich sind. Es ist natürlich, dass man nicht jedem gerecht werden kann, es muss auch mal was hart durchgesetzt werden, auch wenn es dem Einzelnen nicht schmeckt oder wehtut. Nachgiebigkeit ist hier völlig unangebracht, sie geht zu Lasten des einzelnen Schülers, der ja mit der Anhebung der Note nicht schlauer geworden ist, und auch der betreffenden Lehrkräfte, die quasi für unfähig hingestellt werden. Wir brauchen uns über den Zustand des Bildungssystems nicht zu wundern! Welche Leute möchten dann eigentlich noch Lehrer werden, wenn auf diese Art und Weise ihre Fachkompetenz und Souveränität von ministerieller Seite untergraben wird?

Wolfgang Mengel, Stralsund

 

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