Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Die Industrialisierung von 1844 und die Digitalisierung 2019 unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen

04.10.2019, Hartwig Niemann, Rostock

Es stimmt mich schon bedenklich, wenn ich gegenwärtig die Problematik der Digitalisierung verfolge. Egal, wer aus welcher Partei in diesem Zusammenhang politisch den Mund aufmacht, einige von ihnen haben anscheinend nicht die elementare ausgezeichnete Schulbildung, wie sie in der DDR im Geschichtsunterricht gelehrt wurde. Dieser solide Geschichtsunterricht (natürlich auch in den naturwissenschaftlichen Fächern) erinnert mich an den Weberaufstand von 1844 in Schlesien.

Begründung:

Der Weberaufstand war 1844 einer der ersten sozialen Proteste , der im Zuge der Industrialisierung der Tuchproduktion entstand. Während Tücher und Stoffe von einzelnen Webern in Heimarbeit hergestellt wurden, verlagerte sich die Produktion immer mehr in Fabriken mit mechanischen Webstühlen. Die Produktionsverhältnisse änderten sich rapide. Die Besitzverhältnisse der Produktionsmittel konzentrierten sich von nun an in die Hand einiger weniger. Der Profit boomte. Textilien konnten von nun an in besserer Qualität und günstiger gewebt werden. Die Folge war, dass die Weber für ihre Ware immer weniger Geld bekamen. Die Armut unter den Webern wurde immer größer, während sich die Besitzer der neuen Produktionsmittel die Taschen vollstopfen konnten.

 

Und heute? Nehmen wir nur den Automobilbau als Beispiel. Durch die Digitalisierung im Automobilbau bei der Herstellung von Elektroautos werden weitaus weniger Teil benötigt als bei PKW mit Verbrennungsmotoren. Das hat Auswirkungen auf die Zulieferindustrie, insbesondere im mittelständischen Bereich. Insolvenz und Arbeitslosigkeit sind vorprogrammiert.

Und was passiert? Die Armut wird nicht an Wachstum verlieren, sondern objektiv immer größer werden, während andere, denen die Digitalisierung Reichtum bringen wird (nur ein Beispiel: Elektroauto -Verkaufswert ca. 70 000 Euro) sich wieder die Taschen vollstopfen können.

Die Wirtschaftsexperten warnen jetzt schon vor einem möglichen Fiasko und fordern ein sofortiges Umdenken in der Politik. Erfolgt das nicht, werden wir in eine neue Krise schlittern. Das aber ist ja unter kapitalistischen Bedingungen nichts Neues.

 

 

 

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