Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Die Hoffnung stirbt zuletzt

05.03.2019, Haiko Hoffmann, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Was Hoffnung vermag"
im Schweriner Blitz vom 01.03.2019

Beim Lesen dieser Zuschrift erinnerte ich mich an etwas, was anscheinend allen totalitären Regimes gemeinsam ist:

Schaffung des neuen Menschen durch Beseitigung des alten.

Man predigte öffentlich, dass es den Menschen künftig besser ginge und das neue Gefüge ihnen zu Diensten sei. Der Mensch allein sei im Mittelpunkt. Eines Gottes bedürfe es nicht.

In Wahrheit aber war es genau umgekehrt. Das gesellschaftliche Gefüge wurde nicht Diener sondern Herr über die Menschen, d.h. diejenigen, welche dieses neue Gefüge anführten und nun sich selbst vergöttlichten. Es brauchte keinen widerspenstigen sondern einen gefügigen Menschen, den sog. neuen Menschen.

Alles und jeder, was oder der dem entgegenstand, wurde Feind. Nicht der einzelne Mensch und sein Glück stand im Mittelpunkt sondern das System mit seinen Dogmen, die nur Mittel zum Zwecke der Herrschaft einer Clique war. Der Mensch sollte nur noch im Sinne des Gefüges sein Glück sehen, sich einfügen, der neuen Sonne im Personenkult entgegenblicken. Um das zu erreichen, bedurfte es der Ausschaltung jedlichen Widerspruchs, jeglicher Kritik, was das Gefüge infrage stellen könnte, d.h. die Macht einer Clique. Der Mensch sollte kollektiv und nicht mehr einzeln individuell über sein eigenes Leben bestimmen sondern Teil eines Ganzen sein, wie ein Räderwerk. …

Und wie man die Schaffung des neuen Menschen verstand, zeigten solche Regimes bald auf ihre Weise. Die Schaffung des neuen Menschen durch die Vernichtung des alten. Wortwörtlich. Es fängt mit der Diffamierung und Diskriminierung von Minderheiten und Andersdenkenden an und mündet in der Umsetzung ihrer physischen Vernichtung.

So ist erklärlich, warum es sowohl bei faschistischen als auch bei radikal-kommunistischen Regimes zur gleichen Erscheinung millionenfachen Todes von Menschen kam. Ob Hiltler, Stalin, Mao oder Pol Pot. Sie alle wollten den neuen Menschen schaffen und haben nur Vernichtung gebracht. …

Die Hoffnung aber stirbt zuletzt. Gott sei Dank!

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