Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Der Wahn ist kurz,...!

23.06.2016, Ulf-Harry Kugelmann, Neuwied

 

Mittlerweile hat Stralsund einen Bekanntheitsgrad erreicht, dass selbst der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ nur noch eine unerhebliche Steigerung bewirken würde.

 

Die erneute Bemühung unter Einbeziehung der angrenzenden Kreise soll die Beantragung von EU-Fördermittel (Steuergelder) ermöglichen.

Das Wort „Fördermittel“ hat sich seit 1989 zu einer Droge mit fatalen Folgen entwickelt.Man kann natürlich auch ohne eigenes Geld glücklich werden - solange andere zahlen.Hier geht einmal wieder der Politik das Gefühl verloren, dass Steuern anvertrautes Geld sind.

Schon Ende November 2014 hatte Bündnis 90/ Die Grünen vorgeschlagen, dass Stralsund im Jahre 2025 „Kulturhauptstadt Europas“ wird.

Falls die Bewerbung abgelehnt würde sei das ein „politisches Todesurteil“ äußerte sich damals Frau Fechner (OZ v. 27.11.14).

Stralsund sollte froh sein, wenn es sich n i c h t mit dem bombastischen Titel "Kulturhauptstadt Europas" belasten muss. Das Ganze ist längst zum Selbstbedienungsladen der Subventionen verkommen. Darüber hinaus zu einer weiteren Event-Groteske, die die Städte Europas mit Spektakel überzieht, anstatt mit Kultur.

Die Idee der Europäischen Kulturstadt ist längst zur Farce einer Event-Wirtschaft verkommen, die sich vor allem auf billige Effekte versteht und darauf, diese teuer zu verkaufen. Es geht nicht um Kultur, sondern nur um die allenfalls touristisch nützliche Kunst der Event- und Spaßgesellschaft

Das Geld sollte besser für Soziales oder für nachhaltige Kultur-Strukturen ausgeben werden, anstatt damit überhöhte Rechnungen von Eventmanagern zu bezahlen.

Urlauber kommen höchst selten aufgrund eines Titels in eine Stadt/Region, sondern weil eine große Vielfalt an Angeboten, gepaart mit einem guten Service, ihnen zusagt, und das Preis-Leistungsverhältnis noch stimmt. Natürlich spielt auch eine stabile Wetterlage eine Rolle.

 

Dass diese Auszeichnung den Tourismus fördere, Arbeitsplätze schaffe, die internationale Aufmerksamkeit erhöhe, Anziehungskraft für junge Menschen habe und „ein Leuchtfeuer für die gemeinsame europäische Zukunft sei, dürfte wohl reines Wunschdenken sein, zumal für den dazu notwendigen Etat Millionen von Euro benötigt werden.

 

Die Bürgerschaftsfraktion Bündnis 90/Die Grünen wäre heute und zukünftig gut beraten, wenn sie sich den wirklich wichtigen Problemen in der Stadt widmen würde.

 

Beispiele: Arbeitslosigkeit, Schuldentilgung Kinderarmut Anzahl der Sozialhilfeempfänger, häusliche Gewalt, Alkohol- und Drogenkonsum von Jugendlichen etc.

Bevor sich hier mal wieder einige sattsam bekannte profilierungssüchtige Lokalpolitiker darüber Gedanken machen, wie eine Kleinstadt mit 57.525 Einw. (12/2014) „Kulturhauptstadt Europas“ werden könnte, sollten erst einmal die Probleme gelöst werden, die den Bürgern schon lange unter den Nägeln brennen.

 

 

 

 

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.