Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Der Oktoberputsch

19.11.2017, Karl Scheffsky, Schwerin

Durch Zufall nahm ich in Schwerin an einer bemerkenswerten Veranstaltung zu 100 Jahren Oktoberrevolution mit dem Titel Oktoberputsch teil. Trotz meines Alters hatte ich noch nie von einem Putsch gehört, der sich in große Teile der Welt siegreich ausbreitete und diese in einen Alarmzustand versetzte. Für den Referenten, einen Geschichtsprofessor der Uni Rostock, war der Oktoberputsch allerdings wissenschaftliche Erkenntnis. Sein agressiv vorgetragener Antikommunismus ließ mich sofort an Tomas Mann denken, der diesen bekanntlicherweise als Grundthorheit unserer Epoche bezeichnete. Der Professor überraschte auch gleich mit der komischen Bemerkung, dass er sein Referat nicht methodisch aufbereitet hätte, weil er davon keine Ahnung hat. So begann er sofort mit der Erschießung der Zarenfamilie und endete mit den 100 Millionen Toten durch die grausame jüdisch- bolschewistische Gewaltherrschaft. Eine Frau aus einer christlich-jüdischen Arbeitsgruppe verließ daraufhin empört diese Versammlung mit der Bemerkung: Sie habe dort ganz andere Erfahrungen gemacht. Die Diskussion, die auch mit Argumenten aus der Sicht marxistischer Ethik und Moral in Theorie und Praxis geführt wurde, brachten den Profesor ins Schwitzen. Der Leiter der Veranstaltung versuchte durch wiederholte a-historisch methodische Bemerkungen seinem Referenten Schutz zu bieten. Dieser war aber durch Einseitigkeit und Intoleranz sowie nicht zuletzt durch Geschichtssklitterung in eine ungute Verfassung geraten.

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