Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Denkt an die Kinder – Nicht nur zur Weihnachtszeit

11.12.2012, Leiter der ISUV-Kontaktstelle Rostock Gerold Schwarz

Die Adventszeit ist da, und bis Weihnachten dauert es nicht mehr lange.

Dies nimmt der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) zum Anlass darauf hinzuweisen, dass auch dieses Jahr wieder zahlreiche Kinder geschiedener oder getrennt lebender Eltern einen Elternteil zu diesen wichtigen Festtagen nicht besuchen dürfen. Das erleben die Kinder und der betroffene Elternteil – meist Väter – umso schmerzlicher, weil die Vorweihnachtszeit und die Feiertage auf Friede, Freude und Familie gestimmt sind. ISUV weist darauf hin, dass der Umgang mit beiden Elternteilen ein Recht der Kinder ist. Gleichzeitig ist es auch die Pflicht beider Eltern, den Umgang mit dem Kind zu ermöglichen, aber auch, ihn wahrzunehmen.

Der Rostocker Leiter der ISUV-Kontaktstelle, Gerold Schwarz, stellt fest: „Besonders die Weihnachtszeit berührt bei Scheidungs- und Trennungskindern längst verheilt geglaubte Wunden. Sie verbinden mit dieser Zeit oft Erinnerungen an Friede, Freude und einer ehemals intakten Familie. Daher appelliere ich an alle geschiedenen und getrennt lebenden Eltern und Partner, auf diese Gefühle ihrer Kinder einzugehen. Wichtiger als teure Geschenke sind emotionale Zuwendung und der Ausdruck von Wertschätzung, insbesondere auch dann, wenn es bereits eine „neue“ Familie gibt. Schenken Sie daher Ihren Kindern insbesondere Zeit und bezeugen Sie Ihnen somit auch Respekt.

Aber was tun, wenn der Umgang (an den Feiertagen) verweigert wird?

Wenn Eltern nicht eigenständig eine Regelung zustande bringen, dann ist das fast immer ein Signal, dass es den Kindern schlecht geht. Oft werden sie benutzt (instrumentalisiert), um den anderen Elternteil zu treffen. Wird der Umgang eingeschränkt oder gar verweigert, so empfinden das der ausgesperrte Elternteil und die Kinder – auch wenn letztere nicht offen darüber sprechen – als besondere Härte.

Man kann dem Kind in diesem Fall schreiben, das Jugendamt um Vermittlung bitten, einen Eilantrag an das Gericht stellen, und wenn alles nicht hilft, ein Geschenk mit der Post schicken oder beim Jugendamt abgeben, damit es an das Kind weitergegeben wird. Aber ist dies im Sinne des Kindeswohls?“

Weitere Auskünfte und Informationen: Gerold Schwarz, Telefon 03 81/49 68 69 81 und E-Mail rostock@isuv.de

Dort erhalten Interessenten auch einen Ratgeber zum Umgangsrecht (Preis: 3,50 Euro).

 

 

WUNSCHZETTEL

 

Wenn Eltern oder Partner sich trennen – Das wünschen sich

(nicht nur kleine) Kinder

- Zwanzig Bitten an Geschiedene und getrenntlebende Eltern -

 

Vergesst nie: Ich bin das Kind von euch beiden.

Ich habe jetzt zwar einen Elternteil, bei dem ich hauptsächlich wohne und der die meiste Zeit für mich sorgt. Aber ich brauche den anderen genauso.

 

Fragt mich nicht, wen von euch beiden ich lieber mag.

Ich habe euch beide gleich lieb. Macht den anderen also nicht schlecht vor mir. Denn das tut mir weh.

 

Helft mir, zu dem Elternteil, bei dem ich nicht ständig bin, Kontakt zu halten.

Wählt für mich seine Telefonnummer oder schreibt die Adresse auf einen Briefumschlag. Helft mir, zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein schönes Geschenk für den anderen zu basteln oder zu kaufen. Macht von den neuen Fotos von mir immer einen Abzug für den anderen mit.

 

Redet miteinander wie erwachsene Menschen. Aber redet!

Und benutzt mich nicht als Boten zwischen euch – besonders nicht für Botschaften, die den anderen traurig oder wütend machen.

 

Seid nicht traurig, wenn ich zum anderen gehe.

Der, von dem ich weggehe, soll auch nicht denken, dass ich es in den nächsten Tagen schlecht habe. Am liebsten würde ich immer bei euch beiden sein. Aber ich kann mich nicht in Stücke reißen – nur weil ihr unsere Familie auseinandergerissen habt.

 

Plant nie etwas für die Zeit, die mir mit dem anderen Elternteil gehört.

Ein Teil meiner Zeit gehört meiner Mutter und mir, ein Teil meinem Vater und mir. Haltet euch konsequent daran.

 

Seid nicht enttäuscht oder böse, wenn ich beim anderen bin und mich bei euch nicht melde.

Ich habe jetzt zwei Zuhause. Die muss ich gut auseinanderhalten – sonst kenne ich mich in meinem Leben überhaupt nicht mehr aus.

 

Gebt mich nicht wie ein Paket vor der Haustür des anderen ab.

Bittet den anderen für einen kurzen Moment rein und redet darüber, wie ihr mein schwieriges Leben einfacher machen könnt. Wenn ich abgeholt oder gebracht werde gibt es kurze Momente, in denen ich euch beide habe. Zerstört dies nicht dadurch, dass ihr euch anödet oder zankt.

 

Lasst mich vom Kindergarten oder bei Freunden abholen, wenn ihr den Anblick des anderen nicht ertragen könnt.

 

Streitet euch nicht vor mir.

Seid wenigstens so höflich miteinander, wie ihr es zu anderen Menschen seid und wie ihr es auch von mir verlangt.

 

Erzählt mir nichts von Dingen, die ich noch nicht verstehen kann.

Sprecht darüber mit anderen Erwachsenen, aber nicht mit mir.

 

Lasst mich meine Freunde zu beiden von euch mitbringen.

Ich wünsche mir, dass sie meinen Vater und meine Mutter toll finden.

 

Einigt euch fair übers Geld.

Ich möchte nicht, dass einer von euch viel Geld hat – und der andere ganz wenig. Es soll euch beiden so gut gehen, dass ich es bei euch beiden gleich gemütlich habe.

 

Versucht nicht, mich um die Wette zu verwöhnen.

Soviel Schokolade kann ich nämlich gar nicht essen, wie ich euch beide lieb habe.

 

Sagt mir offen, wenn ihr mal mit dem Geld nicht auskommt.

Für mich ist Zeit ohnehin viel wichtiger als Geld. Von einem lustigen gemeinsamen Spiel habe ich viel mehr als von einem neuen Spielzeug.

 

Macht nicht immer so viel „action“ mit mir.

Es muss nicht immer was Tolles oder Neues sein, wenn ihr etwas mit mir unternehmt.

Am schönsten ist es für mich, wenn wir einfach fröhlich sind, spielen und ein bisschen Ruhe haben.

 

Lasst möglichst viel in meinem Leben so, wie es vor eurer Trennung war.

Das fängt bei meinem Kinderzimmer an und hört auf bei den kleinen Dingen, die ich ganz allein mit meinem Vater oder meiner Mutter gemacht habe.

 

Seid lieb zu den anderen Großeltern.

Auch wenn sie bei eurer Trennung mehr zu ihrem eigenen Kind gehalten haben. Ihr würdet doch auch zu mir halten, wenn es mir schlecht ginge! Ich will nicht auch noch meine Großeltern verlieren.

 

Seid fair zu dem neuen Partner, den einer von euch findet oder schon gefunden hat. Mit diesem Menschen muss ich

mich ja auch arrangieren. Das kann ich besser, wenn ihr euch nicht gegenseitig eifersüchtig belauert.

Es wäre sowieso am besten für mich, wenn ihr beide bald jemanden zum Liebhaben findet. Dann seid ihr nicht mehr so böse aufeinander.

 

Seid optimistisch.

Eure Ehe habt ihr nicht hingekriegt – aber lasst uns wenigstens die Zeit danach gut hinbekommen.

Geht mal meine Bitten an euch durch. Vielleicht redet ihr miteinander darüber. Aber streitet nicht. Benutzt meine Bitten nicht dazu, dem anderen vorzuwerfen, wie schlecht er zu mir ist. Wenn ihr das macht, habt ihr nicht verstanden, wie es mir jetzt geht und was ich brauche, um mich wohler zu fühlen.

 

Eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen der gemeinnützige Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV).

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