Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Demut oder Missbrauch

21.11.2018, Jürgen Schwarzenberg, Ludwigslust

Es macht schon sehr nachdenklich, das für und wider, wobei von den Herren Hoffmann und Hubert im Sinne richtiges, aber auch nicht belegbares, genannt wird. Die Kirchengeschichte zeigt viele Beispiele für Glaubenskriege und Ketzerei gegenüber Andersdenkenden (auch innerhalb der Kirche). Beispiel Erasmus und Luther. Am Freitag den 15. Juli 1099 metzelten Christen, Kreuzfahrer aus West- und Südeuropa in Jerusalem 70.000 Mohammedaner und Juden, Männer, Frauen und Kinder, nieder (arabische Quellen, christliche nannten auch fünfstellige Zahlen). Papst Urban der II. entfachte dazu auf dem Konzil von Clemont-Ferrand am 27.11.1095 das mörderische Klima. Galileo Galilei´s Konflikt mit dem Vatikan begann 1615, Jahrhunderte später, 1992, machte der Vatikan seinen Frieden mit dem als Ketzer gestempelten, italienischen Professor. Ein Menschenleben ist vermutlich zu kurz um die Menschheitsgeschichte zu reflektieren. Im christlichen Abendland wurde die Macht der Kirche und der Obrigkeit zementiert. Zuvor lebten 800 Jahre Juden, Christen und Moslems in Toleranz und wissenschaftlichem sowie kulturellem Austausch zusammen. Blütebeispiel war Córdoba (auf der Iberischen Halbinsel) im 10. Jahrhundert. Hochschulen, Hospitäler, öffentliche Bibliotheken...nächtliche Beleuchtung, das hatte keine andere europäische Stadt. »Kölnische Zeitung« 28.03.1819: Gaslaternen seien »aus theologischen Gründen verwerflich«... (da)... »die göttliche Ordnung und Finsternis nicht vom Menschen zerstört werden darf«. Wo währen wir ohne die Übernahme der arabischen Zahlen? Von einander lernen für den Erhalt und den Fortschritt der Menschheit. Zu Missbrauch: Richtig, die Katholische Kirche hat die Studie in Auftrag gegeben. Aber bekannt ist, wie konservative Kirchenfürsten, gegen den Aufklärungswillen der eigenen Mitglieder, »als Staat im Staate mauerten«. Das Recht darf vor keiner Tür haltmachen. Glaube hin oder her, das Grundgesetz gibt Antwort. 40 % der Bundesbürger gehören keiner Konfession an. 2017 traten 367.500 Mitglieder aus beiden großen Kirchen aus. Den Parteien laufen, sterben die Mitglieder weg. Die Staatsleistungen an Kirchen betragen jährlich ½ Milliarde €. Wir brauchen keine Feindbilder. Ich halte es mit der 11. Feuerbachthese: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an sie zu verändern«. Sie erhebt die Forderung die Wirklichkeit so zu erklären, dass zugleich ihre notwendige Veränderung theoretisch begründet wird. Das schaffen wir, nur gemeinsam.

Jürgen Schwarzenberg, Ludwigslust

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