Mecklenburger Blitz Verlag

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Das wissen macht´s

23.03.2015, Haiko Hasan Hoffmann, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Solange gemordet wird"
im Schweriner Blitz vom 23.03.2015

Zu »Solange gemordet wird«, Blitz vom 15. März, Seite 2

»!!!« … Heißt es nicht, wer schreit, hat Unrecht? Dass Herr Kurzmann »auch so ein böser Mensch!!!« sei, bedaure ich. Andere Meinungen sind doch in Ordnung. Ich wünschte mir generell nur sachliche Argumente mit fundiertem Wissen. Am besten wäre das Gespräch von Mensch zu Mensch, um einander besser zu verstehen, wozu ich auch Herrn Kurzmann gerne einladen möchte.

Viel wird über Islam geredet, oft aber nur vom Rumpf-Islam der Extremisten. Da wird Missbrauch als allgemein islamisch umgedeutet. Danach wäre auch ich ein Extremist. Und das nur, weil Hintergrundwissen fehlt. ISIS, Taliban oder die vielen Schreckensmeldungen sind dann Maßstab, obwohl jeder weiß, dass es Extreme sind.

Ich beschönige und beweihräuchere nichts. Ich versuche nur Spreu vom Weizen zu trennen. Viel zu viel wird in einen Topf geworfen und oft zu stark gewürzt. Klar, dass die Suppe darin dann übel schmeckt. Auch Kochen erfordert Wissen. Ehrenmorde, die es auch in Italien, Brasilien oder Ecuador gibt (so Amnesty International), haben doch nichts mit Religion zu tun sondern mit solchen schwammigen Begriffen wie Familienehre. Wenn es im tief katholischen Sizilien passiert, ist es dann christlich? Ich glaube nicht. Warum soll das dann islamisch sein, nur weil ein Muslim das Verbrechen begeht? Herr Kurzmann beschreibt ja auch eine Art Vendetta, aber nichts, was religiös ist. Auch im Islam ist das Mord. Der Begriff »Ehrenmord« stammt nicht mal von Muslimen. Es gibt keinen islamischen oder christlichen Ehrenmord. Es ist Mord, also ein Verbrechen. Ich hoffe, niemand wertet den Tod der 40 Studenten in Mexiko geringer als den Tod der 21 Kopten in Libyen, nur weil ersterer nicht von Muslimen verursacht wurde. Ein Verbrecher, der »Allahu akbar!« ruft und jemanden umbringt, begeht doch keine fromme Tat, nur weil er den Namen Allahs ausspricht. Was ist das für eine Logik? Dann müsste man auch den Aufruf katholischer Bischöfe über Radio in Ruanda noch vor wenigen Jahren zum Genozid an Tutsi als christlich werten.

Peter Scholl-Latour war ein kluger Mann, aber auch höchst umstritten. Ihn als unumstößliche Wissensinstanz zu präsentieren, ist tückisch, da er im Laufe der Zeit zahlreiche Wendungen genommen hat und nicht frei von Vorurteilen war. Bei Widerspruch konnte er in Talkshows ziemlich biestig werden. Seine aus dem Zusammenhang gerissene Aussage, die in mehreren Versionen existiert, wird nicht von allen geteilt.

Auch Herr Kurzmann heißt die Muslime in Deutschland willkommen, andererseits den Islam nicht – Argumentationsfalle »Guter Muslim, böser Islam«. Muslime dürfen also hier leben, nur der Islam soll eigentlich draußen bleiben. Sind die Muslime wirklich willkommen? Pauschalisierung zeigt sich auch im vorletzten Satz von Herrn Kurzmann. Er sagt doch im Grunde, solange IS, Boko Haram und Co. ihre schwarze Fahne schwenken, die hier einfach mal so als »Fahne des Propheten« bezeichnet wird, ist der Islam niemals friedlich. Ich fürchte, dass, wenn auch nur ein durchgeknallter Muslim medienwirksam »Allahu akbar!« ruft, wird das immer so bleiben. Dass die Masse der Muslime dagegen ist und der Islam anders ist, spielt dann keine Rolle. Auch nicht, dass es z.B. christliche oder jüdische Fanatiker gibt, die solches tun. Breivik berief sich auch aufs Christentum – aber war das christlich? Angst muss ernst genommen werden, sie darf uns aber nicht beherrschen. Sonst haben die Extremen gewonnen. Lasst uns dem doch nicht aufsitzen! Miteinander reden ist immer besser als sich die Köpfe einzuschlagen. Sachlich, vernünftig und friedlich, fernab von Polemik und »!!!«.

Haiko Hasan Hoffmann, Schwerin

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