Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Das moderne Gespenst

21.03.2018, Hans Bremerkamp, Rostock

Ein Gespenst geht um! Das erste, den Herrschenden richtig Furcht einflößende Gespenst war der Kommunismus. Der ist in den Köpfen vieler Völker zwar noch als Alternative zum gegenwärtigen Elend der Welt vorhanden, aber praktisch erst mal nicht direkt gefährlich. Die westliche Welt braucht aber immer wieder einen Erzfeind, denn die gegenwärtigen »kleinen« Kriege bringen nicht den großen Profit. Und so wird einfach für alle Ereignisse, die negativ bewertet werden, ein neuer Kalter Krieg entfacht und der passende Gegner gleich dazu.

Wer eignet sich dafür am besten? Russland und sein Präsident Putin, das moderne Gespenst.

Schon der Name »Russe« klingt abstoßend, feindlich und unmenschlich. Im Dritten Reich war der Bolschewismus das Gespenst. Dabei wissen heute nicht sehr viele, welche Aussage im Kern dieses Begriffes liegt, nämlich »Mehrheit«. Wer die Mehrheit im Parlament hat, regiert bekanntlich.

So fällt es den ach so freien und objektiven Medien nicht schwer, als Verursacher jedes unliebsamen oder auch schlimmen Ereignisses den Verursacher zu benennen.

Russland und sein Präsident ist einfach am ganzen Elend dieser Welt schuld: Krim-»Annexion«, Sportlerdoping, neues Wettrüsten, Mord in England, Wahlmanipulation in den USA, Hacker im IT-Netz des Bundestages, und jüngst natürlich die unrechtsstaatliche eigene Präsidentenwahl. Die Liste ist schier unendlich.

Hat man denn z. B. ein Dokument gefunden, aus dem hervorgeht, dass der damalige KPdSU-Chef Nikita Chrustschow die Krim ganz offiziell der Ukrai­nischen Sowjetrepu­blik zugeschlagen hat? Nein, er hat das Kraft seiner Autorität einfach mal so dahingesagt. Und darauf fallen die Vertreter von »Rechtsstaaten« auch noch herein und meinen, auch so eine Nebenbei-Bemerkung wäre völkerrechtlich relevant.

Die Russophobie kennt keine Grenzen, ist an den Haaren herbeigezogen, entbehrt jeglichen Wahrheitsgehaltes und ist vor allem für den Frieden der Welt sehr gefährlich. Die Verfechter einer solchen Politik glauben auch noch, sie befänden sich in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht und verhängen Sanktionen, um Druck auszuüben. Sind sie alle und Russland nicht Mitglied der UNO und deren Charta verpflichtet?

Russland wird Aggressivität vorgeworfen, aber NATO-Truppen stehen vor seinen Grenzen, nicht umgekehrt.

Die Gelassenheit Putins gegenüber all diesen Machenschaften ist erstaunlich. Gleich nach seinem Wahlsieg hat er sich mit Oppositionspolitikern getroffen, um sein künftiges Programm zu erläutern. Ein Hauptanliegen russischer Politik der kommenden Jahre ist der Kampf gegen die Armut des Volkes, auch auf Kosten von Militärausgaben, nicht das Wettrüsten.

Wenn ich mich umsehe: Wo sind die Realpolitiker, die mit Nachbarvölkern in Frieden und mit Toleranz leben wollen? Weit und breit nur Arroganz, Hass und Lügen, und die Medien machen weitgehend mit.

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