Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Das Ende vom Lied

13.05.2019, Siegfried Spantig, Hagenow

In der DDR gab es natürlich auch Witze zu erzählen. An den wird man sich vielleicht nicht mehr so erinnern: Begegnen sich zwei hochgestellte Bonner Politiker. Fragt der eine - Personalakte West, antwortet der andere, nein Ost. Das war nach dem 2. Juli 1965, als Prof. Albert Norden das 240 Seite starke BRAUNBUCH vorgestellt hatte. Nach jahrelangen Recherchen war bis dahin herausgekommen, wie der Bonner Apparat mit Nazifunktionären und Kriegsverbrechern bestückt worden ist. Als da waren: 15 Minister, bzw. Staatsfunktionäre, 100 Generale bzw. Admirale, 828 hohe Justizbeamte, 245 Mitarbeiter im Auswärtigen Amt, 297 hohe Beamte in der Polizei. Natürlich wurde dadurch die alte BRD nicht zu einem NS-Staat, aber gut mit Nazigeist gesättigt. Und um ein schönes Feigenblatt vorzuzeigen, gab es den einen und den anderen, der gestand, seinen Lebenslauf mit etwas verbogener Feder geschrieben zu haben. Und die Truppe um Albert Norden forschte weiter. Anno 1968 waren 2300 Kriegsverbrecher und anderes NS-belastetes Personal in Staat und Wirtschaft entdeckt. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute, hieß das Ende vom Lied, das leider kein Märchen besingt.

Siegfried Spantig, Hagenow

Hier können Sie Ihre Leserbriefe online aufgeben

Bitte beachten Sie, dass wir uns das Recht vorbehalten, im Falle des Abdruckens in der Zeitung, Textpassagen zu kürzen oder nachträglich zu ändern.