Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Das »Amerikanische« Jahrhundert

28.01.2016, Hartmut Jensen, Rostock
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Leserbriefe zum Thema »Englisches Gedudel«, BLITZ vom 10., 17. und 24. Januar."
im Rostocker Blitz vom

Die zahlreichen Leserbriefe zum »englischsprachigen Dudelfunk« sprechen mir aus dem Herzen. Ende des vergangenen Jahres demonstrierten Bürger des Landes mit demselben Anliegen vor dem Landesfunkhaus in Schwerin. Und die Fernsehprogramme: In den Programmzeitschriften der TV-Sender wird man durch das Angebot von US-Film- und Serienproduktionen geradezu »erdrückt«, unbesehen deren Niveaus. Ähnlich die Filmauswahl der großen Lichtspielhäuser. Maßgebliche US-Politiker postulieren das 21. als das »Amerikanische« Jahrhundert, gewiss zu verstehen als das US-amerikanische, was gern auch von den Redaktionen in einen Topf geworfen wird.

Mit gleicher Zielrichtung, wenn auch zu anderem Sachverhalten stehen nun die Freihandelsabkommen TTIP und CETA zur Entscheidung: US-amerikanische Interessen der Kapitalverwertung, ihre Rechtsnormen gegen europäisches Demokratieverständnis, gegen europäische Sozialnormen und Umweltinteressen. Eine Demonstration im Oktober 2015 in Berlin gegen diese Abkommen mit 250.000 Teilnehmern wurde in den Öffentlich-Rechtlichen Medien in Deutschland nahezu totgeschwiegen, allenfalls herablassend kommentiert. Der Bundestagspräsident konnte jetzt mit »energischem« Einsatz bewirken, dass der geheime Vertragsentwurf zu TTIP in einem speziellen Lesesaal von Abgeordneten eingesehen werden darf.

Es ist nicht zu übersehen, dass alle diese Probleme in einem Zusammenhang stehen. Sollten wir uns erregen? Echauffiert sich oder protestiert gar die Bundeskanzlerin, wenn ihr Telefon oder das von Regierungsmitgliedern durch den US-Geheimdienst NSA abgehört wird …?

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