Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Da ist Handlungsbedarf

07.03.2018, Jens Dammann, Güstrow

Sehr geehrte Frau Ministerin Hesse,

in meiner Funktion als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger beschäftige ich mich ausgiebig mit dem kulturellen Erbe in Mecklenburg-Vorpommern und musste des Öfteren mit Erschrecken feststellen, wie bewegliche Bodendenkmäler/Bodenfunde zur Plünderung freigegeben sind, da es schlicht keine entsprechenden (!) Gesetze gibt, um unser aller kulturelles Erbe zu schützen. So ziehen täglich Glücksritter mit ihren Metalldetektoren über die Felder, die Wiesen, streifen durch die Wälder und entnehmen dem wissenschaftlichen Kontext wichtige Informationen, aus niederen Gründen, wie die eigene Vitrine damit zu bestücken, aber auch um sie zu veräußern. Dieser Zustand ist allein den Gesetzen geschuldet, die im Ansatz vorhanden sind, in der Praxis doch lediglich eine Ordnungswidrigkeit darstellen, nicht als Straftat geahndet werden können. Dadurch sind Behörden wie Polizei und andere staatliche Organe, wie die Staatsanwaltschaft, in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt. In der Praxis gibt es da Beispiele zur Genüge.

Schleswig Holstein hat die Zeichen der Zeit erkannt, seine Gesetze entsprechend angepasst und die illegale Suche nach Artefakten erheblich eingedämmt. Und trotzdem wird dieses Gesetz derzeit angepasst, die Strafen sollen verdoppelt werden.

So wird die Strafe von derzeit bis zu 50.000,00 Euro auf 100.000,00 Euro angehoben, mit dem Ziel die illegale Suche zu unterbinden und das Kulturgut zu schützen. Wir als Nachbarland von Schleswig-Holstein haben generell, und zusätzlich speziell im Grenzgebiet, mit einem immer stärkeren »Sondeltourismus« zu kämpfen, da den illegalen Suchern das deutlich geringere Strafmaß vollkommen bewusst ist. In der Ausstellung »Blutiges Gold« in Groß Raden ist es gelungen eine Ausstellung zu schaffen, die der Öffentlichkeit mit vielen Informationen vermittelt, welche Geschichte man erzählen kann, wenn die Artefakte fachgerecht geborgen und wissenschaftlich ausgewertet werden. Diese Geschichte kann man nur erzählen, wenn mit ihr sach- und fachgerecht umgegangen wird und wenn man sie mit entsprechenden Gesetzen schützt. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Sie müssen jetzt handeln um zu retten was zu retten ist, wenn wir die Geschichte erforschen, dokumentieren, verstehen und erzählen wollen. Ich fordere Sie hiermit als Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur als oberste Denkmalschutzbehörde auf, die Missstände im Denkmalschutzgesetz zu beseitigen und den Ämtern und staatlichen Organen eine Rechtssicherheit zu schaffen, auf dessen Grundlage diese arbeiten können. Das die illegale Suche nach Artefakten in unserem Bundesland unterbunden wird, um die Geschichte auch für zukünftige Generationen zu erhalten, fachlich bergen und auswerten zu können.

Jens Dammann, Güstrow

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