Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Courage zeigen

29.03.2016, Brigitte Schneider, Rostock-Warnemünde

Vor einigen Tagen erlebte ich auf dem S-Bahnhof Holbeinplatz in Richtung Warnemünde eine heftige Auseinandersetzung zwischen einer kleinen Gruppe Jugendlicher mit unverkennbarem fremdländischen Aussehen und einem älteren Bürger, der in deutscher Sprache diese in primitiver Weise beschimpfte. »Halt die Fresse, Du Blödian, ich hau Dir gleich eine rein«, waren beinahe noch geschmeichelt zu anderen bösartigem Schreien. Es standen einige auf die S-Bahn Wartende dabei. Niemand machte Anstalten, eine mögliche Eskalation zu verhindern, obwohl erkennbar war, wer wem in die »Fresse« schlagen wollte. Einer der Jugendlichen versuchte verzweifelt immer wieder zu erklären, dass er nicht böse ist und auch arbeitet. Aber er wurde zur Seite geschubst und ihm wurde lautstark begreiflich gemacht, dass er sein Gastrecht missbraucht. Der Pöbler klopfte sich an die Brust und schrie: »Ich bin der Gastgeber, Ihr seid Schmarotzer!« Da konnte ich mich nicht zurück halten. Ich schrie den Mann so laut ich konnte an, dass er kein Recht hat, sich als Gastgeber der zu uns flüchtenden Menschen zu bezeichnen, sondern dass ich und viele andere uns für solche Mitbürger schämen. Niemand reagierte, denn die Bahn kam an und es begann ein reges Ein- und Aussteigen. Im Zug kamen dann drei junge Männer auf mich zu und lobten meine Reaktion.Meinten aber auch, dass es gefährlich hätte für mich werden können. Wäre mir tatsächlich niemand zur Hilfe gekommen? Ich hatte wirklich keine Angst, sondern eine unheimliche Wut über den miesen Typ, der so tat, als würden ich und andere ihm dankbar zuhören.

Nicht reagieren kann tatsächlich Zustimmung oder Angst sein.

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