Mecklenburger Blitz Verlag

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Corona – Wer soll das bezahlen?

22.03.2020, Martina Plischka, Plau am See

Es gibt, bezogen auf den kölsche Klüngel, ein altes Willy Millowitsch Lied, das heißt: Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Ein Karnevalslied aus alter Zeit, aber heute wieder aktueller denn je.

Wenn wir uns erinnern, was vor der Corona-Krise war: Am Jahresanfang kam der Brexit. So viel mir bekannt ist, haben die Briten ihre Zahlung für 2019 zurückgestellt. Deutschland gilt als der größte Bruttozahler in den EU-Haushalt, gefolgt von Frankreich. Da Großbritannien, das als Einzahler an 3. Stelle stand, als Zahler ausffällt, müssen die ersten beiden den Löwenanteil tragen.

Wie steht es, mit unseren relevanten, an den Börsen orientierten Konzernen? VW, Audi, BMW, Daimler, Deutsche Bank, Commerzbank, Allianz, Krupp-Stahl? Alle am Boden. In Frankreich zieht die Bevölkerung auf die Straße, um schmerzende Reformen, wie die, die sich die Deutschen bereits vor Jahren gefallen ließen, zu verhindern. Macron bekommt seine Sparpolitik zulasten der mittleren und unteren Einkommen nicht durch.

Jetzt, zu Corona-Zeiten wirft man mit den Milliarden nur so um sich. Die Frage ist, wer soll im Einzelnen gestützt werden? Der kleine Ein-Mann oder eine Frau-Betrieb, mittelständische Unternehmen mit ihren Mitarbeitern, große, bislang DAX-Unternehmen? Einmal wieder Großbanken, weil systemrelevant? Bei diesen vorschnellen Versprechen steht zu befürchten, dass wieder einmal diejenigen davon profitieren, die das nicht verdienen. Generell ist der Gewinn stets privatisiert und wird in die eigene Tasche gefüllt, bei Verlusten aber haftet der kleine Mann bzw. die kleine Frau. Genau wie bei der Bankenkrise. Aber einmal davon abgesehen: Wer soll die 150 oder über 200 Milliarden überhaupt bezahlen, die da großzügig verteilt werden sollen? Seit Jahren bricht bei uns überall die Infrastruktur zusammen, für Kitas, Schulen, Brücken usw. ist kein Geld da und dann wirft man mit dem Geld nur so um sich. Vielleicht wäre es einfacher, einmal ehrlich zu sein. Zugegeben, das fällt Politikern mit Sicherheit schwer. Aber der Zug ist vor die Wand gefahren, und zwar bereits genau zu dem Zeitpunkt, als man die meisten EU-Länder mit dem EURO beglückte. Wechselkurse machten ihren Sinn. Nicht umsonst ist Italien und Spanien absolut pleite. Es liefen sogar Wetten darauf, welche südländische relevante Bank als erste den Finger hebt. Alles auf Null stellen und eine Währungsreform einleiten, das wäre aus meiner Sicht die einzige Lösung aus dieser verfahrenen Situation und einmal ehrlich sein, mit den Menschen dieses Landes und Europas. Schmerzhaft wird das Ganze für uns alle ohnehin, fragt sich nur, welche Pflaster für die Wundversorgung notwendig sind.

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