Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Bürgerbegehren

06.05.2011, Kathrin Neuenfeldt, Schwerin

Von Anfang an verfolge ich das Bürgerbegehren. Ich finde es gut, dass es Bürger gibt, die eine Entscheidung der Stadtvertretung nicht einfach so stehen lassen. Umso trauriger finde ich es, dass diese Bürger nicht gehört werden, sei es von den Medien oder den Stadtvertretern. Dabei wird vor jeder Wahl gesagt, man solle wählen gehen, um die Politik aktiv zu gestalten.

Und genau das haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens getan. Sie haben sich aktiv am stadtpolitischen Geschehen beteiligt. Dafür meine Hochachtung und mein Dank.

Mich hat dieses Bürgerbegehren bewegt, ich habe die Initiatoren kontaktiert und auch ich habe meine Unterschrift gegeben.

Auf der Internetseite www.buergerbegehren-wohnungslose-sn.de kann der Werdegang dieser Aktion verfolgt werden. Es ist beschämend, wie trotz der Stück für Stück aufgetauchten Wahrheit (Schimmel in der ehemaligen Kita), kein Medienvertreter, außer dem Stadtfernsehen, die Initiatoren mit einem positiven Artikel unterstützt hat, wie kein Stadtvertreter sich bei den Initiatoren entschuldigt hat und eine Stellungnahme der Oberbürgermeisterin gefordert hat.

So scheint es in Ordnung zu sein, dass über einen Standort für Wohnungslose mit einer Gegenstimme entschieden wurde, in dem sich seit dem Jahr 2005 Schimmel befindet. Und das nicht nur im Keller, sondern auch in den Gruppenräumen, die bis Februar 2011 von der Kita genutzt wurden. (Wer entschuldigt sich bei den Kindern und deren Eltern? Wer fragt nach Gesundheitsschäden?)

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens wollen weiter machen, denn sie haben sich kundig gemacht über die räumlichen Anforderungen an eine Ganztagsbetreuung für Wohnungslose. Und die scheinen im Gebäude der ehemaligen Kita für 40 Wohnungslose nicht gegeben zu sein.

So habe ich auch Hochachtung vor den Initiatoren, dass sie das Gespräch mit den Wohnungslosen gesucht haben. Und bei allem sozialen Engagement der Stadt finde ich es schlimm, dass kein Stadtvertreter auf die im Stadtfernsehen getroffenen Aussagen der Wohnungslosen reagiert. Sie möchten nach 18 Jahren nicht einfach umziehen, denn auf dem Großen Dreesch haben sie ihre Anlaufstellen wie z.B. Ärzte. Und viele von ihnen sind nicht in der Lage den Weg von der Weststadt zum Großen Dreesch zu meistern, sei es aus finanziellen Mitteln oder rein von der Orientierung und dem Gesundheitszustand her. Und die Aussage eines Wohnungslosen, statt umzuziehen würde er wieder Platte (auf der Straße leben) machen, berührte mich besonders.

Also, liebe Stadtvertreter, ist es so schwer, sich bei engagierten Bürgern für ihr Interesse an der Stadtpolitik, welches eine ganze Stadt bewegt, zu bedanken und zu entschuldigen?

 

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