Mecklenburger Blitz Verlag

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Bürger wehren sich

28.03.2013, Bürgerinitiative »Provita« Eva Maria Leonhardt

Der Bauausschuss in Broderstorf tagt normalerweise nicht öffentlich. In der letzten Sitzung war der Investor zur Errichtung der drittgrößten Hähnchenmastanlage des Landes eingeladen worden. Er stellte das Projekt vor, das er unmittelbar vor den Toren Rostocks, im OT Fienstorf errichten möchte. Eine Anlage, in der 1,44 Millionen Tiere pro Jahr schlachtreif gemästet werden sollen. Besorgte Bürger, die Gefahr für Gesundheit und Umwelt befürchten, gründeten die Bürgerinitiative »Provita«. Sie sammelten über 1.000 Unterschriften gegen die Anlage und führten mit 220 Teilnehmern, einen landesweit beachteten Aktionstag durch. Mit Besorgnis nimmt die Bürgerinitiative die Bemühungen zur Kenntnis, das bereits vor dem Abschluss stehende Genehmigungsverfahren in der Gemeindevertretung Broders-

torf neu zu thematisieren. Vor Monaten schon, hatte die Gemeinde Steinfeld das gemeindliche Einvernehmen versagt und dieses begründet. Steinfeld ist seit 1. Januar 2013 in Broders-

torf eingemeindet worden. Die Intensivierung der Eingemeindungsbestrebungen lagen zeitgleich mit der Vorstellung des Projektes zur Hähnchenmastanlage in der Gemeindevertretung Steinfelds. Dass erst jetzt Broderstorf zur »betroffenen« Gemeinde wird, ist nicht zu akzeptieren. Eine Ergänzungswahl für Vertreter aus Steinfeld soll erst Ende April erfolgen. Bis dahin sitzen keine Steinfelder Volksvertreter am Gemeinderatstisch in Broderstorf. Genau in diesem Zeitraum stellt der Investor die Anlage in den Fachgremien der Gemeinde vor und das Thema wird im Broderstorfer Gemeinderat erneut diskutiert. Die Bürgerinitiative sieht darin keinen Zufall. Ein Fachausschuss gab bereits eine Beschlussempfehlung FÜR die Anlage an das Gemeindeparlament. Wieso? Das fragen die Aktiven der BI, wenn kein erneuter Beschluss gefasst werden soll. Den Beteuerungen des Broderstorfer Bürgermeisters gegenüber, dass es sich um reine Informationsveranstaltungen handeln würde, bleiben die Aktiven skeptisch. Aus diesem Grunde erschienen ca. 20 Mitglieder der BI zur nichtöffentlichen Sitzung des Bauausschusses. Nach einigem Hin und Her ermöglichte der Ausschussvorsitzende in einer sehr bürgernahen und demokratischen Geste die Teilnahme der BI an der Sitzung. Danke dafür! Der Investor präsentierte sein Vorhaben und punktete mit umfangreichen Beteuerungen zur Genehmigungsfähigkeit der Anlage. Das sei Verharmlosung der tatsächlichen Gefahren, hielten ihm Bürger entgegen. Über 140 teilweise mehrseitig begründete Einwendungen haben Bürger gegen die Anlage erhoben. In einem öffentlichen Erörterungstermin am 29. Mai wird der Investor dazu Stellung nehmen müssen. Die Mitglieder der BI wollten von den Ausschussmitgliedern des Broderstorfer Fachausschusses wissen, warum man sich erst jetzt für dieses wichtige Thema interessiere. Alle Details zu dem Vorhaben gehen seit Wochen durch die Presse und werden öffentlich diskutiert. Die Bauunterlagen hätten wochenlang ausgelegen. Es sei völlig unverständlich, wieso der Investor Gelegenheit zu so einer «Informationsveranstaltung« erhielte. Der Ausschussvorsitzende bekräftigte den Informationscharakter der Präsentation und versicherte, dass die Beschlüsse der Gemeindevertretung Steinfeld legitim seien und dass es keine Beschlussfassung und Empfehlung für den Gemeinderat geben werde. Die Mitglieder der BI sind nun gespannt, wie die Volksvertreter zu ihrem Wort stehen und was auf der nächsten Gemeindevertreterversammlung am 3. April in Broderstorf zu dem Thema stattfinden wird.

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