Mecklenburger Blitz Verlag

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Brexit & EURO: The game is over

29.06.2016, Martina Plischka, Plau

Das war vorhersehbar: England stimmt ab und ein großer Teil der Bevölkerung sieht in einem Verbleib in dieser EU keinen Sinn mehr. Ausgerechnet England, dass die Gemeinschaftswährung nicht einführte, hauptsächlich von einer Finanzindustrie lebt, stimmte gegen die EU ab.

Das Wort Finanzindustrie im Sinn von Produktion von Waren in den Mund zu nehmen, widerstrebt mir. Seit wann gelten riesige Finanzblasen als Produkte?

Nun, nachdem alle südlichen Länder wie Spanien, Portugal usw. vor dem wirtschaftlichen Kollaps stehen, Frankreich ohnehin strauchelt, sind außer dem Finanzmarkt Luxemburg und Deutschland nicht mehr viele wirtschaftsstarke Länder beteiligt. Bleibt Deutschland als Hauptzahler, einem Land, dessen Politikerriege sich rühmen darf, die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderdriften zulassen. Ich denke, die Arbeitslosenzahlen sind geschönt und angesichts massiver Gewinneinbrüche vieler Konzerne werden hunderttausende wenn nicht Millionen Arbeitnehmer arbeitslos. Wenn die Vielzahl der Abgehängten hierzulande genauso wie die Millionen anderer Abgehängter der anderen EU-Länder, eine Wahl hätten, sie würden ihr Land aus dem Euroraum schnellstens abwählen. Nach der Schockstarre werden vor allem die Schotten und Iren präsentiert, die diesen Brexit nie wollten. Ich habe noch nie Ware in Händen gehalten, die in einem der vorgenannten Länder produziert wurde, außer ein paar Keksen. Beide Länder haben sich tatsächlich durch großzügige EU-Subventionen in der Landwirtschaft entwickeln können, Irland galt immer als das Armenhaus Europas.

Schade um Europa und die Idee, so viele Menschen in Frieden leben zu lassen. Wenn man nicht nur die Vermögen der Reichen gesteigert hätte und stattdessen eine Teilhabe aller in Europa stattgefunden hätte, wäre der Traum von Europa ein guter. Man hat Jahre lang nur Politik für sich selbst (die Berufspolitiker und ihre Diäten) und eine kleine Elite gemacht. Das ist das eigentliche Drama. Aber der Tenor, die da unten verstehen das nicht, wirkt nicht mehr, wenn auch in anderen Ländern gegen die EU abgestimmt werden darf. Zwar wird England eine Weile leiden, aber nicht so, wie die Länder des Euro-Raumes: Diese Währung wird einen absoluten Abstieg erleben, viele Wirtschaftsprofessoren haben das genauso wie den Austritt Englands von Anfang prognostiziert. Die Briten haben nur so lange mitgemacht, wie es lohnenswert erschien. Jetzt herrscht Katerstimmung, die man bemüht ist, zu verbergen. Wir Deutsche, werden die Transferleistungen in andere Staaten teuer bezahlen dürfen und wieder wird es der ohnehin ausgepresste Normalbürger sein und nicht die, die satt profitiert haben. Und wieder drohen Unruhen und Kriege innerhalb Europas, weil einige den Hals nicht voll genug bekommen.

Für mich war diese Gemeinschaft immer eine Zweckgemeinschaft, den wahren Sinn hat sie nie erfüllt, wenn von Werten gesprochen wurde, ging es immer nur ums Geld, auch das ist traurig.

Seit der Euroeinführung verteuerte sich alles hierzulande, das ist die Wahrheit, die gerne verschwiegen wird. An einem eigentlich günstig produzierten Produkt wird das deutlich: Eine Pizza kostete früher 8,50 DM heute kostet sie 8,50 Euro und ist deutlich kleiner.

Wie war das noch mit dem Euro als sicheres Zahlungsmittel und wie war das noch mit Blüm und: die Rente ist sicher?

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