Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Bindende Kraft des Befehls

13.03.2018, Dr. Hans Bomke, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Generalfeldmarschall Paulus"
im Schweriner Blitz vom 13.03.2018

Zu »Generalfeldmarschall Paulus«, 11.3., Seite 2.

Das Verhalten von Generalfeldmarschall Friedrich Paulus in der Schlacht von Stalingrad sollte nicht zu einseitig beurteilt werden, meine ich. Paulus war das Beispiel einer ganzen Offiziersgeneration, für die Hitler nicht nur Oberster Befehlshaben, sondern zugleich höchste moralische Instanz geworden war. Sie zog sich auf die bindende Kraft des Befehls zurück. Paulus hatte die tödliche Gefahr der Einschließung der 6. Armee schnell erkannt und um Handlungsfreiheit für die Operation »Umbau« – den Ausbruch nach Südwesten – ersucht. Hitler lehnte jedoch strikt ab und erteilte Haltebefehle, die den Glauben nährte, das Ausharren diene der Stabilität der gesamten Südfront. Immerhin band die 6. Armee acht sowjetische Armeen im Umkreis des Kessels von Stalingrad. Als General Rokossowski von der sowjetischen Don-Front Anfang Januar 1943 Paulus zur Kapitulation aufforderte, bat Paulus erneut um Handlungsfreiheit und indirekt um Einstellung der Kämpfe. Hitler lehnte dies ab. Paulus fand nicht die moralische Stärke zur Befehlsverweigerung, verbunden mit der Hoffnung, mit dem Opfern seiner Armee ein größeres Desaster zu verhindern, nämlich den Zusammenbruch der Heeresgruppe Süd. Zum Schuldigen an seiner Armee wurde er jedoch ab Mitte Januar 1943, als eine wirksame Verteidigung nicht mehr möglich war. Er erkannte jetzt die Notwendigkeit der Beendigung des Krieges, die Beseitigung Hitlers und traf im Sommer 1944 dem »Nationalkomitee Freies Deutschland« bei, wofür seine Familie in Sippenhaft kam. Als Zeuge der Anklage trat Paulus auf dem Nürnberger Militärtribunal auf. Mit seinen Ausführungen zum Plan »Barbarossa« zerschlug Paulus die These vom Präventivkrieg und kennzeichnete die Kriegsführung gegen die Sowjetunion als Verbrechen. Nach seiner Repatriierung im Oktober 1953 blieb Paulus in der DDR – die ihn bevorzugt behandelte. Am. 1. Februar 1957 starb er in Dresden, das Trauma von Stalingrad und seine Schuld hatte er nie ablegen können.

Dr. Hans Bomke, Schwerin

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