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Besonders bekannt

23.02.2015, Siegfried Spantig, Hagenow

Es gibt Sachen, die gibt es gar nicht, heißt es manchmal. Das trifft auch auf Behauptungen zu. Neulich hieß es, zu DDR-Zeiten seien die Richter des Kreisgerichtes Hagenow die Herren des Ermittlungsverfahrens gewesen. Da der Kreis Hagenow in der DDR lag, war das nicht so. Der Staatsanwalt hatte die Kriminalpolizei unter sich. Und war er der Meinung, in diesem Falle muss Anklage erhoben werden, tat er das schriftlich. Das Gericht konnte ablehnen, zur Nachermittlung zurückgeben, eröffnen. Auch das Hagenower Kreisgericht war ein Schöffengericht. Zwei Laienrichter konnten einen Berufsrichter überstimmen, der die Möglichkeit hatte, seine Meinung schriftlich zu fixieren, in einen Umschlag zu tun, diesen zu verschließen und zur Akte zu geben.

DDR-Staatsanwälten und Richtern ging es nach der Einheit erst einmal schlecht. Man suchte in der Bonner Rumpelkammer nach einer großen Gießkanne, denn den blühenden Landschaften war aufzuhelfen. Zunächst fiel eine Radehacke in die Hand: Aha, erst Unkraut rausreißen. Flugs Ermittlungsverfahren gegen die Sorte eröffnen, und zwar wegen Rechtsbeugung. Das muss man sich genüsslich zerschmelzen lassen: Rechtsbeugung im Unrechtsstaat, abzuurteilen vom Rechtsstaat nach unrechtstaatlichem Recht. Als man nach Monaten dachte, die sind nun kirre genug, Einstellungen.

Noch eine Geschichte vom Unrechtsstaat. Im Sommer 1956 sagte ich zu Charlotte, jetzt bin ich bereit dem Rathaus 60 Mark Vergnügungssteuer zu zahlen. Ist gut, sagte Charlotte, ging mit mir zum Standesamt und sagte vor allen Leuten: Den nehme ich. Und so leben wir heute noch fröhlich in wilder Ehe, sehr zum Neid der rechtsstaatlich getrauten Paare. Manche sind natürlich burschikos und machen sich die wilde Ehe selbst. Ein wackeres Paar ist besonders bekannt.

Siegfried Spantig, Hagenow

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