Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Beitrag zu Grass-Gedicht

23.04.2012, Siegfried Lietz

Es ehrt Günter Grass und seinen Nobelpreis, dass er sich nachdrücklich mit gesundem Menschenverstand in der Verantwortung sieht, auf eine höchst brisante aktuelle Kriegsgefahr hinzuweisen. Die Reaktionen darauf entsprechen der derzeitigen politischen Kultur: anstatt sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, überschlagen sich undifferenzierte Hasstiraden unter dem Totschlagargument Antisemitismus; ein rassistischer Begriff, der beliebig und immer wieder massenwirksam missbraucht wird. Wer hat es nötig, die kritische Vernunft zur Frage Krieg und Frieden in Nahost und global zu beleidigen und sich in selbstgerechtem Realitätsverlust zurückzuziehen? »Krieg ist ein Winterschlaf der Kultur« (Nietzsche), der mit Waffenexporten in Krisengebiete gebahnt wird: Panzer den einen. U-Boote den anderen u.ä.m., ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Aber lebt die Völkergemeinschaft nicht mittlerweile nach UNO-Konventionen wie Menschenrechte, Völkerrechte, das Recht auf Leben und Wohnen für alle Völker? Wäre es nicht realitätsgerecht, das intransparente Kernwaffenpotential Israels auch unter Kontrolle der IAEO zu stellen, um einen Beitrag zur Entspannung zu leisten? Es bleibt abzuwarten, ob und inwieweit die Sichterheitsstrukturen der UNO die Macht haben, ihrer entscheidenden Verantwortung gerecht werden zu können.

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