Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Bauernland in Junkerhand!

17.12.2010, H. Sänger

Kürzer und treffender lässt es sich nicht erfassen, dieses fast letzte Kettenglied zur Deutschen Einheit nach 20jähriger erfolgreichen Probelauf. Das »Unrecht der Bodenreform« sei »wenigstens moralisch« wieder gutzumachen, was nach den Vorstellungen von Schwarz-Gelb heißt, den Herren »Alteigentümern« ihr seinerzeit entschädigungslos enteignetes Ackerland verbilligt (zum halben Verkehrswert) zum Kauf anzubieten. Sie bekommen’s nicht mal geschenkt!

1945, nach dem bis dahin verbrecherischsten und verheerendsten Weltkrieg Nr. 2, von Deutschland ausgegangen und verloren, sollte, das war Konsens, solches Unheil nicht wieder möglich sein. Da dessen zumeist adliger Großgrundbesitz als »Brutstätte der Reaktion« galt und seine Vertreter neben Großindustrie und Großbanken zu den Hauptprofiteuren und Mitschuldigen an den Naziverbrechen zählten, war deren Enteignung und Übergabe in Bauernhand damals notwendige, schnell zu realisierende Konsequenz, wobei Differenzierung zwischen den vielen Schuldigen und den weniger Schuldigen unterblieb, nur das Land der Kirche blieb unangetastet.

Nunmehr sollen die Großacker- und Weidenflächen einschließlich der Jagdgebiete und Herrensitze in Mecklenburg endlich an die angestammten Adelsherren als Eigentümer zurückfallen, auf dass sie diesen Boden, geschützt von ihren Staranwälten und wiederum im Bunde mit den mächtigen Herren von Großindustrie und Banken, wirtschaftlich (industriell und spekulativ) vermarkten. Beim jetzigen Stand der Landtechnik wird man weniger Gesinde brauchen, polnische Gastarbeiter sind bei Bedarf verfügbar, und die Gewinne werden allemal ausreichen, sich, falls notwendig, die paar Bedenkenträger und Umweltschützer zu kaufen.

Endlich herrscht so in deutschen Landen wieder Ordnung, und sogar die Geschichte wird von unnötigem Ballast befreit. Denn eine demokratische Bodenreform wie auch wirtschaftliche bäuerliche Produktionsgenossenschaften als Paten von Schulen und Kindergärten und sogar zwei verlorene Weltkriege hat es dann in Deutschland nie gegeben, alles ist wieder, unserer demokratisch gewählten Obrigkeit sei gedankt, auf Vorkriegsniveau.

 

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