Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Ausverkauf im Greifswalder Museumshafen

18.11.2012, Eckhard Zuschlag, Greifswald

Als im Jahre 1991 der „Museumshafen Greifswald e.V.“, mit Sitz im „Alten Stadthafen“, gegründet wurde, hat er sich den Ausbau und Unterhalt eines Museumshafens auf die Fahne geschrieben. Das sollte durch den Erwerb, der Restaurierung und Unterhaltung alter Schiffe, die für die Kulturgeschichte Vorpommerns bedeutsam waren, erreicht werden.

Anfangs ließ sich die Sache auch ganz gut an. Zügig wurden nacheinander drei alte Schiffe erworben: Das „Rammschiff Heimkehr“, von 1901, der „Dampfeisbrecher Pomeria“, gebaut 1907, und der „Schwimmkran Condor“ aufgelegt 1913. Aufgrund dieser erfreulichen Entwicklung hat sich die Bürgerschaft der Stadt am Ende des Jahrhunderts entschlossen, dem Museumshafenverein, das Hafenareal von der Steinbecker Brücke bis kurz hinter dem „Fangenturm“, per Pachtvertrag, kostenlos zur Verfügung zu stellen. Als dann Zug um Zug die Gründungsmitglieder den Vorstand des Vereins verließen bzw. verlassen mussten, entfernte man sich ständig weiter vom Vereinszweck. Statt den Erwerb eigener „Museumsschiffe“ zu forcieren, begann nun der Ausverkauf! Zunächst wurde der ehemalige „Dampfeisbrecher Pomeria“, als NPD-Domizil und später als Kneipe (Hafen/Nordseite), privat verpachtet. Es folgte der „Schwimmkran Condor“, der als Hauptwohnung vermietet ist. Kürzlich hat der Verein auch noch sein letztes, eigenes Schiff, die „Heimkehr“, an ein privates Unternehmen verkauft. Quintessenz: Der Museumshafen Greifswald e.V. besitzt nicht ein einziges, eigenes Schiff!

Damit hat der Verein auch seine Existenzberechtigung eingebüßt! Der Vereinszweck: Eigene, alte Schiffe zu erwerben und zu erhalten, ist missachtet worden.

Weil alle übrigen Schiffe im Greifswalder Stadthafen (Museumshafen) im Besitz von privaten oder gewerblich orientierten Eignern sind, muss sich zwangsläufig auch die Befreiung von den Liegegebühren für die Schiffe erübrigen. Der Pachtvertrag mit der Stadt ist aufgrund der gültigen Vereinssatzung abgeschlossen worden. Diese bezieht sich sachlich und faktisch auf die Schiffe des Vereins und nicht auf die der Mitglieder.

Eine vereinzelte Gebührenbefreiung wäre sogar noch vertretbar, wenn es sich bei den Booten und Schiffen um ursprüngliche Oldtimer/Traditionsschiffe handeln würde, die die Voraussetzungen der „Charta von Barcelona“ erfüllen.

Inzwischen tummeln sich aber diverse, traditionell und kulturell verunstaltete Eigenbauten im „Greifswalder Museumshafen“, deren Eigner hocherfreut, weil einzigartig, ihre Schiffe gebührenfrei im städtischen Hafen untergebracht haben, im übrigen aber gewinnbringende Charterfahrten durchführen.

Seit Jahren sind im „Museumshafen seitens der Stadt keine Einnahmen zu verzeichnen. Inzwischen befindet sich die Kaianlage um den „Museumshafen“ in einem derart desolaten Zustand, dass der Einsturz der Hafenbefestigungen droht. Und, weil hier nicht vorschriftsmäßig beleuchtet wird, besteht zusätzlich für alle Passanten auch noch Lebens- bzw. Verletzungsgefahr. Wen wundert´s: Wenn keine Gebühren gezahlt werden, fehlt auch das Kapital zum Erhalt und zur Sicherung des Hafens.

Dabei ist nicht von Belang, dass besagter Bereich aus dem gebührenpflichtigen, kommunalen Bereich entfernt wurde. Entscheidend ist, dass im „Musemshafen“ Schiffe liegen, die nicht Eigentum des Museumshafen Greifswald e.V. sind. Besagte Schiffe können folglich auch nicht in den Pachtvertrag mit eingebunden werden. Wer hier die Leistungen der Kommune beansprucht, hat, ebenso wie alle übrigen, entsprechende geldwerte Gegenleistung zu erbringen. So funktioniert Demokratie! Es ist zu wünschen, dass die Bürgerschaft eine einvernehmliche Lösung finden wird, um endlich allen Beteiligten gerecht zu werden. Widrigenfalls werden sich die wenigen, zahlungspflichtigen Schiffseigner, wahrscheinlich erfolgreich, an entsprechender Stelle um Rechtssicherheit und Gleichheit vor dem Gesetz bemühen.

HSEZ

 

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