Mecklenburger Blitz Verlag

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Ausgekochte Betrüger

05.10.2016, Wolfgang Mengel, Stralsund

Ausgekochte Betrüger

Wieder trafen sich am 04.10.16 um 15.30 Uhr mehr als 100 Mitglieder und Gäste zum anstehenden Vortrag in der Volkssolidarität Stralsund am Knieperdamm 28. In der 3. Veranstaltung des Herbstsemesters der Seniorenakademie 55 plus Stralsund berichtete der Leiter der Stralsunder Hauptstelle der Verbraucherzentrale M/V, Herr Rogatschow, über die Tätigkeit der Einrichtung, deren Hauptgegenstand das Verbraucherrecht, d.h. die Beziehungen zwischen Privatpersonen und Unternehmen, ist. Auch bei Problemen der Kunden mit den Wasser- oder Energieversorgern bzw. bei deren Wechsel wird geholfen. In den Beratungen der Zentrale sind solche Themen wie Straf- oder Steuerrecht allerdings ausgeschlossen. Der Referent widmete sich dem sehr aktuellen Thema der Betrügereien, die meist vom Telefon ausgehen. Mit einfachen Fragen lässt sich der Anrufer die Richtigkeit persönlicher Daten (Name, Anschrift, Telefonnummer) bestätigen, um dann z.B. Mahnschreiben für (nicht genutzte) Dienstleistungen zu verschicken. Bei Inkasso-Schreiben muss die Zulassung durch ein Gericht ersichtlich sein, sonst ist das Schreiben getürkt. Eine nächste Masche ist, Geldleistungen direkt am Telefon abzufordern (z.B. für Zoll oder Gericht). Dabei wird ein immenser Zeitdruck aufgebaut (solche Anrufe kommen meist erst spät am Freitag, weil dann offiziell keine Institutionen zum Nachfragen geöffnet sind). Jede deutsche Behörde kommuniziert mit dem Betreffenden nur schriftlich über Postzugang. Ein weiterer illegaler Versuch ist die telefonische Kaltaquise, in der der Anrufer mit psychologisch geschulter Überzeugungskraft seinen „Kunden“ zum Kauf von angeblich ganz notwendigen Dingen drängt. Als schützende Gegenmaßnahmen des „Opfers“ wären/sind zu empfehlen:

-Telefonat sofort durch Auflegen beenden

-Mit Information der Polizei drohen

-Eine Nacht überschlafen, Zeit zum Nachfragen nehmen

-Vom 14-tg. Widerrufsrecht Gebrauch machen (gilt erst ab Zusendung eines Kaufvertrages mit der entsprechenden Belehrung; das Widerrufsrecht gilt nicht beim Kauf im Geschäft!)

Desweiteren wurde zur Vorsicht gemahnt bei Schlüsseldiensten (vor allem an Wochenenden), Haustürgeschäften (z.B. Staubsauger), „geschenkten“ Reisen, Kaffeefahrten und Partnervermittlungen. Betr.: Schlüsseldienste: In Stralsund gibt es leider keinen Wochenenddienst der ortsansässigen Schlüsselfirmen(-dienste). Man sollte aber wissen, dass bei Notfällen (dazu gehört der Topf auf dem eingeschalteten Herd, das heiße Bügeleisen auf dem Bügelbrett, das eingeschlossene Baby oder Haustier u.a.) die Feuerwehr kostenlos die Türe öffnet, wobei sie für zu erneuernde Schlösser allerdings nicht zuständig ist.

Die Zuhörerschaft dankte dem Referenten für seinen hochinformativen Vortrag. Die Verbraucherzentrale M/V mit ihren Hauptstellen in Schwerin, Rostock, Stralsund und Neubrandenburg steht jederzeit für Auskünfte zur Verfügung.

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Andrea Jähnke vom Finanzamt Stralsund wichtige Fakten der Besteuerung von Renten dar, deren Basis das seit 01.01.05 geltende Alterseinkünftegesetz ist. Hier besteht für den Rentner eine Informationspflicht, ob seine Rente besteuert wird oder nicht, im anderen Fall könnte es durch Nachforderungen und anfallende Zinsen (6% beim Finanzamt) sehr teuer werden.

Wolfgang Mengel, Stralsund

 

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