Mecklenburger Blitz Verlag

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Ausflug in Stralsunds Bürgergärten

09.01.2019, Wolfgang Mengel, Stralsund

Ausflug in Stralsunds Bürgergärten

Als ich nach der Chorprobe im Speisesaal der Volkssolidarität Knieperdamm 28 ankam, empfing mich in dem restlos gefüllten Raum (123) ein Gewusel und eine überaus rege Gesprächstätigkeit, die ich als große Freude darüber deutete, dass nach vier Wochen Pause endlich der Semesterstart 2019 erfolgte, zumal mit der Gartenhistorikerin Dr. Angela Pfennig und ihrem Thema „Historische Orte des Genusses-Bürgergärten in Stralsund“ eine interessante Veranstaltung zu erwarten war. Sie legte den Beginn dieser gartengestalterischen Tätigkeit in das 16. Jahrhundert und brachte Beispiele aus Augsburg (Fugger) und den Niederlanden. In diesen Gärten traf man sich und genoss Literatur, Kunst, Musik, Akrobatik, Tanz, natürlich auch gutes Essen und anregende Gespräche. Die Gärten sollten Prunk demonstrieren und dienten der Repräsentation ihrer Erbauer bzw. Auftraggeber. Vor allem nach Ende des 30-jährigen Krieges nahm dieser Gestaltungswille besonders Fahrt auf. Auch in Stralsund gab es um 1900 eine Vielzahl von Gesellschaftsgärten, wie z.B. im Hainholz, auf dem Dänholm, die Stadtkoppel, Rühes Konzerthaus (später E.-Th.-Haus), das Gorki-Haus in der Sarnowstraße, die Schwedenschanze, das Kurhaus Devin, Martinsgarten, Heinzelmannsgarten u.v.a. mehr. Heute ist von alledem leider nicht mehr viel übrig, bis auf ein paar Uraltbäume. Das Gartenlokal links neben der ehemaligen Freilichtbühne (später Pionierhaus) ist auch weg, nachdem nach äußerst kontroverser Diskussion die Bürgerschaft Pläne einer möglichen Restauration dieses historischen Ortes verworfen hat. So bleibt meines Wissens z.Zt. als Bürgergarten im beschriebenen Sinne (außer dem Kurhaus Devin) in der Stadt nur die Bootsanlegestelle am Knieperteich für Lust, Wandel und Genuss übrig. Alle waren Dr. Pfennig für ihren Spaziergang durch die Stadt, den sie mit sehr schönen Archiv- und eigenen Bildern unterlegte, sehr dankbar.

Im zweiten Teil stellte Frau Wachs vom Förderverein des Seniorenbeirates der Hansestadt das Projekt „Gartenglück“ im Tierpark vor, wo auf einem Stück Brachland neben der Mühle mit Interessenten gemeinsam gegärtnert werden kann. Auch das war ein dankbarer Hinweis für mögliche Aktivitäten.

Die Veranstaltung wurde von der Ehrenamtsstiftung M/V gefördert.

Wolfgang Mengel, Seniorenakademie

 

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