Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Auferstehung

08.02.2012, S. Braun

Du ziehst ins letzte Haus vor deinem Ende

und eng und enger rücken nun die Wände.

Die Dinge, woran du dein Herz gehängt,

hast du schon längst an andere verschenkt.

Und hoffst, dass sie jetzt andren Freude geben

und dich vielleicht noch lange überleben.

Ein Blumentopf vorm Fenster ist dein Garten.

Du schaffst es grad noch so, ihn auch zu warten.

Vorbei ist längst das große Blütenmeer,

das deine Welt war... Lange, lang ist’s her.

Ein Auto hast zum Glück du nie gebraucht;

die Lust zum Radfahrn ist nun auch verraucht.

Jetzt schiebst du stolz den Rolli vor dir her

und überlegst, wie’s auf zwei Beinen wär.

Du wunderst dich, wie leicht du dich getrennt

von allem, was Besitz der Mensch so nennt.

Und staunst: Mit wenig kommt man aus

in seines Lebens allerletztem Haus!

Das Kostbarste, was dein in diesem Leben,

war von der Mutter dir zum Start gegeben.

Doch was umsonst man auf der Welt so findet,

das wird geachtet erst, wenn es entschwindet.

Du hast Ersatzteile schon allerhand;

was wirklich echt an dir, ist der Verstand.

Doch leider hat grad der sich oft geirrt;

und was er jetzt sagt, scheint mir sehr verwirrt:

»Im nächsten Leben kriegst du alles neu!«

Ich glaub’ nicht dran, drum sei es, wie es sei.

Ich werd’ zu Humus, das ist viel viel mehr,

denn daras wächst das schönste Blumenmeer.

 

 

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