Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Auch das gab es

07.01.2020, Anonym (Name dem Verlag bekannt)

Zu DDR Zeiten war ich Anfang der 70er Jahre als Polizist in den Transitzügen zwischen den Bahnhöfen Staaken und Schwanheide tätig. Während einer dieser Reisen, erlebte ich das grauenvollste Ereignis meiner 30-jährigen Dienstzeit. Während einer Zugfahrt, Schwanheide Richtung Staaken, wir befanden uns in etwa im Bereich Pritzier, kam uns bei der Streife eine junge Frau entgegen, die laut schreiend erklärte, ihr Kind sei soeben aus dem Zug gefallen. Wir waren entsetzt und zogen sofort die Notbremse. Bei Stillstand des Zuges sprangen die Frau, ich und einige andere Begleiter aus dem Zug und rannten die Strecke, etwa 1,5 km, zurück, dabei befand ich mich immer in der Nähe der schreienden Frau. Plötzlich rannte sie zu einem am Gleisfuss befindlichen Bach und barg dort ihr tödlich verunglücktes Kind. Soweit es mir möglich war half ich ihr dabei, gemeinsam gingen wir wieder auf die Gleise und setzten uns dorthin. Da ich der Älteste von unserer Gruppe war, war es mir ein großes Bedürfnis, der Frau in ihrem tiefen Leid zu helfen, obgleich ich selber sehr betroffen war. Da wir mehr oder weniger auf freier Strecke hielten, brachte man uns Decken, worin wir eingepackt wurden. Ich glaube es war Frühjahr und recht kalt. Es war grauenvoll, die Frau hatte ihr Kind im Arm und deckte es immer wieder ab, ich bedeckte das Kind immer wieder. Den Blick der Frau werde ich niemals vergessen. Nach einer Stunde kam der Arzt, da er keine Zufahrt hatte. Im Dienstabteil konnte ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen.

anonym, Name der Redaktion bekannt

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