Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Argumentationsfalle

30.06.2015, Haiko Hasan Hoffmann, Schwerin

Zu »Welche ist die Rechte?«, Blitz vom 28. Juni.

Weder ging es in der Diskussion um einen Wettstreit zwischen Christentum und Islam noch darum, zu missionieren. Es ging darum, ob Islam bzw. Koran Ursache sind für den IS-Terror und gewisse Ereignisse, die uns alle Sorgen bereiten. Und ich werde nicht schweigen, wenn jemand den Islam bzw. den Koran beurteilt oder gar verteufelt, v.a. letzteren ohne fundiertes Wissen interpretiert von wegen »Guter Muslim – böser Islam«, derzeit gängige Argumentationsfalle. Ängste nehme ich ernst, versuche daher aufzuklären, nicht aber zu missionieren. Der Alte Fritz hatte da wirklich heutigen Politikern was voraus. Gegen Polemik wende ich mich. Ich versuche nur, die Dinge vom Kopf auf die Füße zu stellen und zu versachlichen. Ich weiß, dass dieses einigen bereits aufgefallen ist. Erkenntnis inbegriffen.

Immerhin, wenn Herr Feldmann richtig feststellt, dass Religion schädlich ist, wenn sie missbraucht wird, bedeutet das ja im Umkehrschluss, dass sie nicht schädlich ist, wenn sie nicht missbraucht wird. Und gegen Missbrauch der Religion wenden sich sehr viele Gläubige. Die werden medial inzwischen zunehmend bemerkt. Man muss nur hinschauen. … Andererseits folgt er aber dem alten Dogma der Unwissenschaftlichkeit der Religion. Wissen ist wie das Licht. Es gibt nicht nur das physikalische sondern, wie es der große Gelehrte al-Ghazali aus dem 12. Jh. in seiner auch schon ins Deutsche übersetzten »Nische der Lichter« darlegte, auch das der Erkenntnis als höhere Form des Lichts. Und die höchste Form sieht er in der Erleuchtung, die nur wenige erlangen. Auch Gewissheit ist eine Form von Wissen. Man kann nicht etwas glauben ohne Wissen. Glaube bedeutet nicht Abwesenheit von Wissen(schaft). Übrigens, die größten Wissenschaftler der Menschheitsgeschichte waren und sind nicht selten zutiefst religiös. Blindes Glauben ist töricht, weil das ohne eigenes Wissen stattfindet. Das machen sich Herrschende gern zunutze, indem sie ihr Volk dumm halten wollen. Es geht also nicht um Abschaffung der Religion, sondern um Abschaffen des Bildungsmissstandes, damit Religion ihre Schätze für alle offenbart und nicht als Mittel der Unterdrückung dient. Man sollte nie vorschnell urteilen über andere Weltanschauungen, wenn man im Grunde von diesen nichts versteht. Da besteht die Gefahr der Platitüde, der Polemik, die nicht auf Wissen basiert sondern auf Vorurteil und Dogma.

Haiko Hasan Hoffmann, Schwerin

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