Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Appetit auf Parks und Schlossgärten

19.01.2016, Wolfgang Mengel, Stralsund

Auftakt des Frühjahrssemesters 2016: Erneut war Dr. W. Karge aus Schwerin bei uns zu Gast. Nachdem er uns 2015 mit Guts-, Herrenhäusern und Schlössern bekannt gemacht hat, stellte er uns heute (12.01.16, 15.30 Uhr, Rathaussaal) die dazu gehörenden Parks und Gärten vor.

Den Spruch: »Zu hegen und pflegen sei bereit, das Wachsen überlass´der Zeit« mussten die früheren Landschaftsarchitekten beherzigen (besonders dessen zweiten Teil), denn sie brauchten viel botanisches Wissen, Kreativität und Phantasie dazu, um sich vorzustellen, wie es einmal aussehen würde, denn in der Regel haben sie das »ausgewachsene« Ergebnis ihrer Arbeit nie erlebt. Wie die Herrenhäuser und Schlösser sind auch die Parks und Gärten Spiegelbild ihrer Zeit, der Renaissance, des Barocks und Klassizismus, der englischen Landschaftsgärten.

Der Schlosspark Güstrow symbolisiert einen Renaissancegarten. Typisch dafür: Symmetrie, Übersichtlichkeit und die Entfaltung der Schönheit. Er gehört zu den seltenen Beispielen dieser Epoche in Deutschland. Ein anschauliches Beispiel aus der Barockzeit ist der Schlossgarten Neustrelitz. Hier ist auffällig: Viel Wasser, Spiegelungen, Kanäle und Teiche, Bäume haben die Blicke gelenkt. Der Park wurde 1731/32 von Julius Löwe konzipiert, um 1825 hat Lenne´ ihn allerdings teilweise zum englischen Landschaftsgarten umgestaltet, ohne jedoch die barocke Sichtachse zu verändern.

Einer der bekanntesten Landschaftsarchitekten war der eben erwähnte Peter Joseph Lenne´ (1789-1866), preußischer Gartenkünstler und Landschaftsarchitekt des deutschen Klassizismus. Er gestaltete weiträumige Parkanlagen nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten. Charakteristisch für seine Gestaltung waren vielfältige Sichtachsen, die den Ausgangspunkt für verschlungene Wege und Gartenflächen bildeten. Eins seiner vielen Werke ist der bis 1853 geschaffene englische Landschaftspark des Schlosses Kittendorf, seinerzeit ca. 110 ha groß, heute noch ca. 20 ha umfassend. Bestandteile der Anlage sind bis heute die vierreihige Lindenallee, die von Nordwest auf das Schloss zuführt. Durch den Park fließt in Romantikart die Peene, die Lenne´ zu einem Teich mit zwei Inseln aufstauen ließ. Vom Schloss bietet sich ein herrlicher Blick auf den weiträumigen Park.

Wer Lust auf mehr bekommen hat, kann sich an der Gartenroute M/V orientieren, die ein sehr breites Spektrum an den verschiedensten Gärten und Parks anbietet.

Herrn Dr. W. Karge ein herzliches Dankschön für die interessante Darstellung dieses Themas.

Ich kann hier längst nicht alles wiedergeben, worüber der Referent gesprochen hat, das würde den Rahmen einer Leserzuschrift sprengen. Seine Erläuterungen gingen über die hier kurz genannten Beispiele jedoch weit hinaus. Wolfgang Mengel, Stralsund

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