Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Antwort zum »Mauerbau«

14.09.2011, Emma Fürstenau
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "»Mauerbau, Stasi ...«"
im Rostocker Blitz vom 11.09.2011

Die Lesermeinung von R. Niedzwedski im BLITZ vom 11. September 2011 bestätige ich größtenteils in den aufgezählten Fakten. Aber mir ist nicht klar, warum wir einstigen DDR-Bürger überhaupt den Gedenktag »50 Jahre Mauerbau« feiern (Oder was?) sollen, nachdem wir vor knapp zwei Jahren den Gedenktag »20 Jahre Mauerfall« gewürdigt hatten.

Warum gibt es eigentlich keinen Gedenktag für die »Einführung der DM in den drei westdeutschen Besatzungszonen« im Jahr 1945? Dieser einmalig bedeutungsvollen Maßnahme folgte doch immerhin die Entwicklung des westdeutschen Wirtschaftswunderlandes nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg (!), das mit den durchaus ehrwürdigen Leistungen der westdeutschen Bürger gestaltet wurde. Nur die Sowjetische Besatzungszone war davon ausgeschlossen worden. Eine einzigartig große Bedeutung hat auch die Ausrufung der BRD als ersten deutschen Staat im Mai 1949, durch die die damalige Interzonengrenze – die innerdeutsche Landesgrenze – endgültig zur Staatsgrenze zwischen der BRD und der Sowjetischen Besatzungszone umfunktioniert wurde (denn die Sowjetische Besatzungszone war auch hierbei ausgeschlossen worden). Fünf Monat später – im gleichen Jahr 1949 – wurde die »Zone« auch ein deutscher Staat (der zweite) und holte schwerwiegende Versäumnisse mehr oder weniger vollkommen nach.

Allerdings ist auch heute noch von der »innerdeutschen Landesgrenze« die Rede. Aber hierbei ist immer – fälschlicherwei­se – die Staatsgrenze zwischen dem ersten und dem zweiten deutschen Staat gemeint, die nur (bekanntlich) auf dem Grund und Boden der innerdeutschen Landesgrenze – der Interzonengrenze – existierte.

Ich stelle mir lebhaft vor, dass die Einführung eines diesbezüglichen Gedenktages zutreffendere Kenntnisse über die politischen Fakten in unserer Bevölkerung vermitteln könnte. Derartige Fehlinterpretationen über die Grenze BRD/DDR würden nicht mehr möglich sein. Aber warum gibt es über die Berliner Mauer zwei Gedenktage, einen für den Bau und einen für den Fall?

Der Vorteil bei der Einführung von Gedenktagen für das westdeutsche Wirtschaftswunderland und die Gründung der BRD mit nachfolgender Gründung der DDR wären kulturelle Vortei­le im wiedervereinten Deutschland.

Jedenfalls würde das besser sein, als die in der Lesermeinung von R. Niedzwedski beschriebenen Gleichgültigkeit unserer Bürger für die jüngste deutsche Geschichte. Auch würde das kulturelle Leben in unserer Gegenwart dabei angehoben werden – der ureigene Sinn von Gedenktagen.

Gleichgültigkeit für politische Fakten in der Bevölkerung ist Gift für jede Demokratie, die moderne Führungsmethode der europäischen Staaten.

Dagegen fühle ich mich bei dem Gedenktag »17. Juni 1953« geradezu verunglimpft und glaube, dass wir deutschen Bürger in den neuen Bundesländern das nicht verdienen! Wir haben immerhin zum ersten Mal in der ganzen Welt eine friedliche Revolution gemacht und gewonnen.

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