Mecklenburger Blitz Verlag

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Antwort auf Antwort auf "Angst lähmt"

02.11.2015, Haiko Hoffmann, Schwerin
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Antwort auf "Angst lähmt""
im Wismarer Blitz vom 25.10.2015

Lieber Herr Mengel!

Zunächst mein aufrichtiges Beileid zu Ihrem Verlust. Mögen Sie und Ihre werte Familie viel Kraft und Geduld geschenkt bekommen, die schwere Zeit zu übertstehen. Ich bin in Gedanken bei Ihnen.

 

Eine zünftige Hühnersuppe zu dritt? Auch nicht schlecht. Ich meinerseits bedanke mich schon jetzt für diese nette Einladung. Herr Statzkowski ist, da bin ich mir ziemlich sicher, nicht abgeneigt. Warten wir am besten auf seine Antwort.

 

Zu den Büchern von Herrn Buschkowsky sollte man evtl. zweierlei berücksichtigen. Er berichtet als Lokalpolitiker von seinen Erfahrungen als solcher. Da gab und gibt es mit Sicherheit viele berechtigte Fragen, wobei manches auch Dank seiner Arbeit gelöst worden ist, also eigentlich gar nicht mehr zur Debatte steht. Zum andern darf auch nicht außer acht gelassen werden, dass es einen Unterschied macht, ob man von erlebten Tatsachen spricht oder von Thesen. Denn sobald man anfängt, eigene Erfahrungen zu verallgemeinern, begibt man sich auf Glatteis. Denn etwas zur Norm zu erklären, etwas für allgemein gültig für ganz Deutschland zu deklarieren, ist riskant, da dies m.E. allenfalls eher subjektive Einschätzung ist denn objektive Tatsachenbeschreibung. Es sind am Ende nur Thesen. Insofern verstehe ich seine Thesen nicht als Tatsachenbeschreibung, sondern eher als eine Art Warnung vor möglichen unguten parallelen Entwicklungen. Die krassen Fälle, von denen man zuweilen hört, sind nicht symptomatisch für die gesamte Gesellschaft. Sie sind Fehlentwicklungen in ihrem konkreten Umfeld, mitunter auch durch lokale Politik bewusst oder unbewusst gefördert. Man sollte nicht den Fehler begehen, dies in eine real existierende allgemein Problematik umzudeuten, da dies einfach nicht zutrifft.

 

Ulfkotte bewegt sich seit längerer Zeit deutlich im rechtspopulistischen Feld und ist dafür bekannt, den Islam in den schwärzesten Farben zu malen. Seine Kenntnisse basieren nicht auf tiefem Wissen von Islam, sondern er folgt eher populistischen Thesen und uralten Vorurteilen, die er in seiner grundlegend antiislamischen Haltung journalistisch geübt lediglich zu zementieren sucht. Er kann nicht als Quelle dienen, den Islam objektiv zu verstehen bzw. Fragen zum Islam in Deutschland seriös zu beantworten. Und seine Quellen sind alles andere als seriös, oft tendenziös und spekulativ, selektiv bis dubios. Es kann schon sein, dass er Tatsachen vorweisen kann. Dieses sind also die Quellen für die Fakten, welche daher auf sich selbst beruhen. Ich behaupte also etwas, genannt Tatsachenbehauptung, die ich dann zum Faktum erhebe. Diese Vorgehensweise ist alles andere als seriös, geschweige denn wissenschaftlich. Es ist mittlerweile bekannt, dass er starke politische Ambitionen hat in Richtung antiislamischer Organisation bzw. Partei. … Kurzum, er taugt nicht als Quelle von Wissen über den Islam, allenfalls für Verschwörungstheorie. Sein Hass auf den Islam verbirgt er längst nicht mehr. Und wer hasst und schreibt, spricht nicht unvoreingenommen.

 

Ihrer Aussage hinsichtlich der 109. Sure kann ich nur beipflichten. Die allermeisten Muslime in diesem Lande teilen diese Ansicht ohne weiteres. Das schließt nicht aus, dass es Leute gibt, die das anders sehen. Das hat aber Gründe, welche nicht im Koran zu suchen sind sondern eher politischer Natur sind. Hassprediger haben leider immer dort Erfolg, wo das Wissen fehlt. Daher ist es an den Muslimen, an den Gelehrten, an den Imamen, dieses zu verbreiten und innerislamische Aufklärung zu üben, damit diese Worte, die ja den Verstand ansprechen, auch so verstanden werden. Eigentlich ist diese ganze Sure ausgesprochen klar und ein Bekenntnis zur Toleranz. Es ist noch viel zu tun.

 

Die von Ihnen genannte Koranübersetzung von 2005 basiert auf der uralten von Dr. Ludwig Ullmann von 1840 (nicht „Assmann“, weil man den in Fraktur geschriebenen Namen der Originalausgabe schlicht falsch gelesen hat). Diese gilt als einer der schlechtesten Übersetzungen überhaupt. Sie ist v.a. deshalb bis heute sehr verbreitet, weil ihre Nachauflagen sehr preiswert sind. Man muss eh mit mehreren Übersetzungen vergleichend arbeiten, da es keine gibt, der man blind vertrauen könnte. Jede hat ihre Stärken und Schwächen. Am sichersten wäre natürlich das Original. Doch das kann man natürlich nicht abverlangen.

 

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