Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Alle Jahre wieder

09.01.2018, Hans Bremerkamp, Rostock

Wie schön, dass sich um Weihnachten und Silvester viele namhafte Persönlichkeiten zu Wort melden, Dankesformeln gen Himmel richten, gute Bilanzen des vergangenen Jahres vermelden, von Friede und Freude schwärmen und allen Bürgern fröhliche Feiertage und ein friedliches, erfolgreiches und glückliches Neues Jahr wünschen. Wenn man dazu noch am Silvesterabend die Neunte genießt, in deren Finale alle Menschen Brüder werden sollen, dann kann man schon mal den Blick in die böse Welt richten und angesichts des weltweit herrschenden Elends sentimental werden und verstohlen eine Träne wegwischen. Ja, mehr noch, dann fällt einem das Wort eines klugen Mannes ein, der da konstatierte: »Alles Unglück des Menschen kommt vom Menschen.« Komme mir keiner, der da meint, Kriege seien unvermeidlich, es habe sie schon immer gegeben und gegen sie sei kein Kraut gewachsen. Der Mechanismus, der Kriege verursacht und auslöst, dürfte im Prinzip hinreichend bekannt sein. Aber diejenigen, die die Macht haben, Kriege zu verhindern, schicken »ihre« Soldaten auch noch hin, damit die Flamme nicht erlischt. Sie »genießen« womöglich auch die Neunte, gehen in die Kirche und bitten einen Gott um Frieden, um Tage später in Regierungen und Parlamenten Beschlüsse zu fassen und Maßnahmen »auf den Weg« zu bringen, die weitere Soldatenkontingente in Kriegsherde senden, obwohl eine so genannte Friedensmission seit Jahren erfolglos ist, die Gefahr eines größeren Konfliktes dagegen immer bedrohlicher wird. Werden Rüstungsexporte angeprangert, dann begründet man sie u. a.mit der Notwendigkeit, Arbeitsplätze zu erhalten. Und das Grundgesetz, das die Bundeswehr nur zur Verteidigung der Heimat will, wird immer wieder missachtet. Dafür erfindet man den Slogan: Unsere Freiheit wird auch am Hindukusch, vielleicht auch in Mali und anderswo, verteidigt. Denken unsere ach so christlichen Politiker, wenn sie ergriffen das Finale der Neunten hören, an die bei illegalen Auslandseinsätzen gefallenen deutschen Soldaten und bekommen vielleicht Gewissensbisse? Offenbar nicht! Selbst eine Ärztin mit sieben Kindern lässt das alles offenbar kalt.

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