Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

AfD - Alternative 'für' Deutschland?!

18.03.2018, Rudolf Hubert, Schwerin

Sehr geehrte Damen und Herren, ich weiß, dass mein Brief lang, auch kompliziert ist. Dennoch hoffe ich sehr auf Sie, dass Sie ihn veröffentlichen. Ich bin davon überzeugt, dass in der Frage der AfD mit großer Gründlichkeit die Auseinandersetzung geführt werden muss. Viele Dank an Sie im Voraus!

 

Ihr Rudolf Hubert

 

 

AfD - Alternative ‚für‘ Deutschland?!

 

Mitnichten! Nur mit Wehmut und Betroffenheit kann ich die vielfachen Äußerungen führender AfD-Funktionäre z. K. nehmen, die ohne Scham einen völkischen Hintergrund offenbaren. Dabei sind kaum noch Unterschiede zur verfassungsfeindlichen NPD auszumachen. Dass dies heute in Deutschland (wieder) möglich ist, ist schockierend. Schockierend ist auch, dass sich durchaus redlich mühende Bürger, die offensichtlich in der AfD eine Gruppierung sehen, die ihre Interessen zu vertreten vorgibt, sich nicht in aller Klarheit und Eindeutigkeit von diesem völkischen Hintergrund distanzieren. Eigentlich gibt es dafür nur ein Verfahren: Auszutreten aus diesem Verbund, der alles Mögliche im Parteienspektrum darstellt, eines jedoch mit Sicherheit nicht: Eine ernstzunehmende Alternative für Deutschland!!! Wer dies anders sieht, für den habe ich einen Tipp zum Lesen: „Deutsche Hörer“ vom Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, der sich von 1940 – 1945 mit regelmäßigen Radioansprachen über BBC an das deutsche Volk gewandt hat. Wer diese Texte auf sich wirken lässt, für den sind sämtliche Spielarten diktatorischer Macht und völkischer Überheblichkeit ein – für allemal als menschenverachtende Gemeinheiten entlarvt. Und allen Geschichtsfälschern sei deutlich ins Stammbuch geschrieben, dass Mann schon im November 1941 (!) die "Massenvergasungen" anprangerte!

Schockierend ist für mich aber auch, wie wenig inhaltlich man sich mit derlei verderblichem Gedankengut auseinandersetzt. Völkisches Gedankengut, wie es auch von ‚Reichsbürger-Fantasien“ verbreitet wird, kann sich ausbreiten, weil kaum eine wirkliche Auseinandersetzung stattfindet. Das kann nur verstörend wirken, weil es hier um die Tiefendimension menschlichen Seins geht, die mit dem Wort Religion beschrieben wird. Und offensichtlich fällt diese Dimension zunehmend aus. Wo sie gänzlich verschwindet, machen sich solche menschenverachtenden Pseudoreligionen breit, die das Volk, die Macht, die Klasse, die Rasse, aber auch das Geld oder den Luxus an die erste Stelle rücken. Dabei soll gerade der Begriff Gott uns auf eine Wirklichkeit verweisen, die sämtliche endlichen selbsternannten Götter ihrer Endlichkeit überführt und sie dadurch in ihrer Bedeutung relativiert. Ob im Völkischen oder im „Reich Bismarcks“, ob in der Rasse, Klasse oder im Besitz - allen diesen 'Größen' ist gemeinsam, dass sie keinen wirklichen, letzten Halt bieten können. Weil es dieses Defizit real gibt, weil Menschen so aber nicht wirklich leben können, konnte im Menschen überhaupt eine Ahnung aufkommen von einer Wirklichkeit, die mit Gott bezeichnet wird. Eugen Drewermann hat dies in seinem jüngsten Buch so formuliert: „Angst ist identisch mit dem Wissen um das Ungenügen der Endlichkeit … sie erlaubt nur zwei Antworten: entweder wir verwandeln die ganze Welt in eine Stätte der Angst … oder wir beenden die Angst im Bewusstsein der Unendlichkeit.“ D a s ist die eigentliche Alternative, um die es heute in der weltanschaulichen Auseinandersetzung geht. Und es ist die Antwort der Religion auf alle Versuche, ‚irdische Paradiese‘ aus eigener Macht zu errichten, wie es allenthalben heute wieder versucht wird. So, als ob wir aus der Geschichte überhaupt nichts gelernt haben.

Rudolf Hubert

Schwerin, den 19.03.2018

 

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