Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Abriss eines Unfallverlaufes und Behandlung in der Uni-Klinik Rostock

15.04.2019, K. Wagner

Ein schwerer Verkehrsunfall der Freundin unseres ältesten Sohnes ließ unseren Alltag von einem Tag auf den anderen völlig anders aussehen.

Sie wurde als Fußgängerin an einer Ampelkreuzung in Rostock-Reutershagen, Hamburger Straße, von einem bei Rot fahrenden Auto erfasst. Zum Glück halfen viele Passanten und auch der RTW war schnell zur Stelle. Die bewusstlose, junge Frau wurde in der Uniklinik Rostock notoperiert an einem Schädelbruch. Sie war infolge ihrer zahlreichen, schweren Verletzungen fast zwei Tage an der Beatmung, nach der Intensivstation dann auf der Unfallchirurgie. Tagelang war sie nur müde und kaum ansprechbar. Starke Rippenprellungen, Schmerzen im geschwollenen linken Unterarm sowie ein Beckenbruch schränkten die junge Patientin total in ihrer Bewegung ein.

Ich bin selbst Krankenschwester und habe im Rettungsdienst, auf Intensivstation und Chirurgie in der Warnowklinik Bützow gearbeitet.

Um so erschrockener waren wir, dass am neunten postoperativen Tag die junge Patientin ganz plötzlich entlassen wurde. Sie soll liegen oder sitzen für vier bis sechs Wochen ohne Belastung, damit die gerade Fraktur ihres Beckens ausheilen kann. Keine Rollstuhlversorgung, keine Besprechung zu eventuellem Krankentransport, zur Nachsorge, Alltagspflege oder Betreuung zu Hause, keine Hilfestellung. Unser Sohn trug seine Freundin aus der Uniklinik, eine Freundin kam mit dem Auto. Die Eltern der jungen Frau sind in Hamburg wohnhaft. Ist eigentlich auf Station niemand mehr für solche gravierenden Fragen verantwortlich? Ist es nicht menschliche Pflicht, sich besonders nach so einem schweren Unfall über die häusliche Versorgung in Ruhe Gedanken zu machen und diese Faktoren abzuklären? Was macht man denn erst mit älteren, alleinstehenden Menschen? Wir waren als fremde Familie mit einmal alle gefragt zu helfen und ihre Nachsorge in unserem Alltag zu integrieren. V. a. unser ältester Sohn leistet seit Wochen Unglaubliches, Betreuung eines Unfallopfers rund um die Uhr. Keine Beratung zu einer eventuellen Sozialstationsbetreuung oder möglichen Pflegestufe, keine Tipps und Hinweise stationär, nur einfach zügige Entlassung. Mit welchem Recht? Unglaublich und unfassbar, wie ich finde. Was ist mit Kontroll-CT des Schädels engmaschig? Was ist mit Thrombose-Prophylaxe bei der Patientin, die fast nur liegen konnte. Ich selbst schaute mir dann in der Häuslichkeit ihren Arm an und tastete eine Knochenspitze. Die ambulante Kontrolle bei einem Chirurgen und das Röntgen ergaben, dass der linke Unterarm kompliziert gebrochen war! Laut Arztbericht der Uniklinik keinerlei Röntgenkontrolle der Extremitäten nach dem Unfall. Sogar ein Laie wäre auf diese Idee gekommen. Die Operation des Armes erfolgte drei Wochen später! Mir kommt da wirklich der kalte Kaffee hoch! Dieses Erlebnis war für mich und unsere Familie wie ein Déjàvu. Vor 15 Jahren wurde unser Sohn an der Uni Rostock an einer seltenen Knochenerkrankung operiert, mit dem Ergebnis, dass er ein völlig defektes und instabiles Bein hatte. Keine Ausheilung in zehn Wochen. Prognostisch kein positives Ergebnis. Unter Eigeninitiative erfuhren wir von der einzigen Spezialklinik in Süddeutschland. Erst dortige, jahrelange, wiederholende Operationen brachten den Erfolg auf ein gutes Verlaufs- und Ausheilungsergebnis. Damals in Rostock dieselbe Station unter demselben Chefarzt! Warum hat man uns vor Jahren nicht gleich angeraten, in die Spezialklinik zu fahren? Was machen andere Leute, die nicht selbst in der Lage sind, weiter zu recherchieren? Wo bleibt die Menschlichkeit? Es geht um die individuelle, exakte Versorgung eines jeden Patienten. Patienten verlassen sich auf Ärzte und vertrauen ihnen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn wir weiterhin auf so ein Vertrauen setzen können und uns bei allen medizinisch notwendigen Versorgungen und auch Nachsorgungen und Hilfeleistungen gut aufgehoben fühlen können.

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