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< Zurück zur ÜbersichtDas Schwesternheimathaus Stralsund
Die Themen unserer Akademie sind sehr vielfältig, und so waren am 24.03.26 die Einrichtungsleiterin des Schwesternheimathauses (SHH) Schw. Christine Wawrsich und Schw. Ramona Schoknecht bei uns zu Gast. Beide erzählten über die Geschichte des Hauses in der Großen Parower Straße in Stralsund. Im Wesentlichen gab es zwei Initiatoren für die heutige Institution. Karl Reinhold Graf von Krassow (1812 Stralsund – 1892 Pansevitz/Rg.)gilt als Mitbegründer des Vereins der Freunde der Inneren Mission in Neuvorpommern und Rügen(1848), um gegen die Schäden des Volkslebens mit Hilfe der Inneren Mission Dämme aufzuschütten, und er initiierte zahlreiche Rettungshäuser. Inspiriert wurde er von Johann Hinrich Wichern (1808 – 1881), dem Begründer der Inneren Mission der Evangelischen Kirche. Er ist einer der Väter der deutschen Rettungshausbewegung (nebenbei erfand er den Adventskranz). 1847 wurde das Knabenrettungshaus in Stralsund gegründet. Der Stadtrat hatte Wichern um Rat im Umgang mit „Straßenjungs“ gebeten. Im Rauhen Haus in Hamburg bildete Wichern für solche Einrichtungen Erzieher (diakonische Brüder) aus. Die Häuser betrieben mit den Knaben Landwirtschaft und Gartenbau zur Selbstversorgung. 1890 wurde das Stralsunder Rettungshaus erweitert (siehe Kapelle mit dem großen Buntglasfenster). Eine Jungengruppe umfasste maximal 12 Jugendliche, die eine Mutter- und Vaterfigur als Ansprechpartner hatten, unterrichtet wurden und umfangreiche praktische Arbeiten verrichteten. Nachdem die städtische Stiftung in finanzielle Schieflage geriet, erhielt der Stralsunder Superintendent Schumacher den Auftrag, das Rettungshaus aufzulösen und eine Nachfolge für die Einrichtung zu finden. Diese fand er in der Ev. Frauenhilfe in Pommern mit Sitz in Stettin. Diese suchte für die Schwestern ihrer Schwesternschaft ein Heimathaus. Im August 1933 wurde das Schwesternheimathaus eröffnet und beim Amtsgericht unter „Stiftung Stralsunder Schwesternheimathaus“ registriert. In der Einrichtung konnten sich Mütter erholen, deren Kinder von früh bis abends betreut wurden. Von 1942 – 1947 war das SHH Marinelazarett. Aufgrund der staatlichen Entscheidung, dass Kindererziehung in die staatliche Verantwortung gehört, endete die Kinderbetreuung Anfang der 60er Jahre. Das Gebäude Große Parower Straße 35 wurde zu einem Domizil für die Feierabendschwestern. Das SHH ist eine Kirchliche Stiftung bürgerlichen Rechts. Stiftungszweck ist die Pflege, Betreuung, Unterstützung und Unterbringung hilfebedürftiger Menschen, insbesondere von Menschen mit Behinderungen und von alten und pflegebedürftigen Personen. Heute stehen dafür im SHH 93 vollstationäre Pflegeplätze (incl. drei Kurzzeitpflegeplätze) zur Verfügung. 1997 wurde innerhalb der Stiftung das Evangelische Altenzentrum gebildet, das im nächsten Jahr sein 30jähriges Jubiläum feiern wird. Heute ist das SHH auch im Innenbereich eine wunderbare grüne Oase, die den dort lebenden Menschen sehr viel Freude und Erholung bietet, vor allem, wenn auch der liebe Vierbeiner seine therapeutischen Dienste erfüllt. Die 83 Anwesenden erfuhren von beiden Schwestern sehr viel Wissenswertes, honorierten das mit viel Beifall und freuen sich auf den nächsten Vortrag, wenn es um die traditionsreiche Schwesternschaft der Evangelischen Frauenhilfe geht.
Wolfgang Mengel, Stralsund, 31.03.2026