Mecklenburger Blitz Verlag

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Wohin soll das führen?

08.11.2017, Uwe-M. Troppenz, Parchim
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Muslimische Feiertage?"
im Schweriner Blitz vom 08.11.2017

Zu »Muslimische Feiertage?« 5. November, Seite 2.

Es ist für mich immer schwer, mir bei den gelegentlichen antimuslimischen Ausfällen einiger Leser bissige Kommentare zu verkneifen. Aber manchmal läuft das Fass über. So bei dem Leserbrief »Muslimische Feiertage?«. Gott sei Dank haben wir in Deutschland keine Staatsreligion, sondern unsere Verfassung gewährt ausdrücklich Religionsfreiheit. Es ist lange nicht mehr so, dass die Bürger die Religion des jeweiligen Fürsten anzunehmen hatten. Was sind denn unsere »kulturellen Gepflogenheiten«? Ob ich als Mann einer Frau die Hand gebe? Ob die Frau kein Kopftuch trägt? Da würde meine urdeutsche Mutter schon nicht hineinpassen, die gerne mal ein Kopftuch umbindet. Das war früher bei uns durchaus allgemein üblich. Gezwungen wird im Islam auch keine Frau dazu. Das Kopftuch ist einfach eine Form des Anstands, nämlich die Reize (zu denen auch die Haare gehören) zu verdecken, ebenso wie das Händeschütteln, das vermeiden soll, dass Mann und Frau sich berühren und sozusagen »der Funke überspringt«. Aber Anstand und Moral gehören in unserer sexistischen Gesellschaft ja nicht zu den »kulturellen Gepflogenheiten«. So ist es im Islam aber gemeint, und jede(r) kann es so halten wie sie/er will. Denn im Koran steht mehrfach: »Kein Zwang im Glauben!« Mit einer Herabwürdigung der Frau hat das absolut nichts zu tun, eher im Gegenteil. Ach je, auch die anderen dumpfen Ahnungslosigkeiten sind kaum zu überbieten. Liest denn keiner von den islamophoben Schreibern den Koran? Aber das ist sicherlich zu viel verlangt. Andersgläubige werden da jedenfalls keineswegs als Ungläubige bezeichnet, sondern als gleichgestellte »Leute der Schrift« (Christen, Juden). Ungläubige sind Götzenverehrer und Atheisten. Letztere wollen sicherlich auch gar nicht anders bezeichnet werden als »ungläubig«... Ob muslimische Feiertage berücksichtigt werden, ist gar nicht so wichtig. In Schwerin gibt es einen Interreligiösen Dialogkreis, bei dem man sich auch mal erkundigen kann. Da gratulieren Muslime den Christen und Juden zu ihren Feiertagen und umgekehrt. Wenn von Hetztiraden die Rede ist – wer betreibt denn hier Volksverhetzung? Die von der AfD angefeuerte verfassungsfeindliche Islamophobie ist der neue Antisemitismus. Wohin soll das führen?

Uwe-M. Troppenz, Parchim

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