Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Was bleibt übrig?

20.03.2017, Brigitte Schneider, Warnemünde
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "Leserbrief »Sachliche Worte«"
im Rostocker Blitz vom 19.03.2017

Dem Leserbrief von C. Hanke ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass der BLITZ ihn veröffentlicht hat. In einem Bericht in meiner Tageszeitung ging es um die Meinung von Egon Krenz, dass die DDR nicht so war wie es in den Medien dargestellt wird. Nach über 27 Jahren Deutsche Einheit kommen immer mehr Menschen auch zu dieser Auffassung, verbunden mit der besorgten Frage, was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn die Generation nicht mehr lebt, die alle Seiten der DDR kannte. Ich habe mich unmittelbar nach der gesellschaftlichen Wende auch auf Bundesebene in verschiedenen Gremien bzw. Arbeitsgruppen für chronisch kranke und behinderte Menschen ehrenamtlich engagiert und dabei erlebt, dass Mitstreiter aus den westlichen Bundesländern mir erzählen wollten, wie es in der DDR zuging. Nicht nur einmal habe ich weinend die Gesprächsrunde verlassen, weil ich mich auch persönlich gekränkt fühlte. Umso erfreulicher war für mich ein kürzliches Telefonat mit einem Bremer Erziehungswissenschaftler, der sich über das Bildungswesen, speziell über die Ausbildung der Grundschullehrer in der DDR, lobend äußerte und die Ansicht vertrat, man hätte auch von ihr Vieles lernen können. Ich schätze die kritische und selbstkritische Offenheit des Egon Krenz auch zu seiner persönlichen Verantwortung. Nichts war und ist mir widerlicher vorgekommen, als die Klagelieder der »Wendehälse«. Und dabei denke ich auch an einige, die ich persönlich kannte und von denen ich weiß, dass sie in vollen Zügen ihre Vorteile als 200-prozentige Genossen und »Sozialismusaufbauer« und danach als Opferlämmer genossen haben. Ich hoffe, dass das Urteil der Geschichte über Egon Krenz ihm die Anerkennung nicht abspricht, den Deutschen ein Blutvergießen im Herbst 1989 erspart zu haben. Man mag ihn mögen oder nicht, aber seine aktuelle Einschätzung der internationalen politischen und militärischen Situation und seine Warnung vor den Folgen der Konfrontation zwischen der NATO und Russland sollte man ernst nehmen. Der Weltfrieden ist in akuter Gefahr wie nie seit der so genannten Beendigung des »Kalten Krieges«. Und daran sind nicht zuletzt politische Entscheidungen und Drohungen des Westens beteiligt.

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