Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Toll gemacht!

04.12.2017, Detlev Burska, Neubrandenburg

Rostock ist wieder einen Schritt weiter zur anonymen, gesichtslosen Stadt. Nach dem Abriss des Elisabeth-Heims in der Ulmenstraße und dem beschlossenen Abriss der Heinkelmauer wurde ganz still und unbemerkt von der Öffentlichkeit begonnen, das schon länger leer stehende Gebäude am Dierkower Damm 45 abzureißen. Damit schafft man es endlich, einen der letzten markanten Punkte im ansonsten wunderbar eintönigen, von Beton und Glas geprägten Teil Rostocks zu entfernen und die Stadt einem Platz in der Reihe der gesichtslosen No-Name-Städte näherzubringen. Warum auch etwas so Belangloses wie einen stilvollen Industrie-Ziegelbau erhalten, wo doch Rostock auf seine Deutsche Med und die Holzhalbinsel stolz sein kann. Haben die Bomben im Krieg und die Vernachlässigung der DDR-Zeit es nicht vollständig geschafft, die historische Bausubstanz zu vernichten, tun wir es eben heute, um auch die letzten Zeugen unserer Geschichte zu beseitigen und dafür einen weiteren symbollosen Glas-Beton-Klotz zu errichten. Hauptsache die Leute ziehen nach Rostock, wo wir Wohnraum schaffen! Bald ist es einerlei, ob sie im renovierten DDR-Plattenbau in Lichtenhagen wohnen oder in der neuen Luxus-Betonschlucht am Holzlager, optisch sieht es dann genauso aus wie in jeder anderen Stadt, die sich noch heute dafür schämt, in den 50er- und 60er-Jahren ihre Innenstadt verhunzt zu haben. Ich freue mich schon auf den Tag, wo endlich die Petrikirche einer dreispurigen Stadtautobahn weicht und zum Ausgleich ein schönes Betonhochhaus daneben gesetzt wird. Rostock, ich lebe gern in Dir!

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