Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Reformation in Stralsund

08.11.2017, Wolfgang Mengel, Stralsund

Die Seniorenakademie 55 plus Stralsund lud erneut den Historiker Christoph Wunnicke ein, um über die Reformation in M/V und in Stralsund zu berichten. Einen ersten Schwerpunkt bildete das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“, 1520 von Luther getextet und komponiert, es wird auch als „Hymne der Reformation“ oder „Marseillaise der Bauernkriege“ bezeichnet. Luther sagte sinngemäß, „…wenn das Volk meine Lieder singt, gewinne ich es am ehesten…“. Das Lied wurde auch bei uns immer zu bestimmten Anlässen gesungen und war sogar von 1947-1952 Bestandteil des Liederbuchs für Schulen. Luther postulierte 1517: „Will nicht spalten, sondern disputieren und reformieren“ und ließ 1520 seine reformatorischen Hauptschriften folgen. Die Mecklenburger Fürsten standen sehr unterschiedlich zur Reformation. Eine wichtige Rolle spielte der Rostocker Joachim Slüter (1490-1532). 1531 wurde die Stadt offiziell protestantisch. Der auch „Doctor Pomeranus“ genannte lutherische Theologe Johannes Bugenhagen (1485-1558) spielte als Freund und Berater Luthers für die Durchsetzung der Reformation in Pommern eine wichtige Rolle. Er machte sich vor allem um die Neugestaltung der Kirchenordnungen verdient. Die 1533/34 erschienene Bugenhagen-Bibel ist auch als Lübecker Bibel bekannt. Der Stralsunder „Luther“ war Christian Ketelhot (1492-1542), dessen Bildnis in St. Nikolai im rechten Seitenschiff zu sehen ist. Er predigte erstmals am 1. Juni 1523 in der Ratskirche. Der 10. April 1525 ging als Tag des Kirchenbrechens in die Stadtgeschichte ein. Altermann Ludwig Fischer gelang es, auf dem Alten Markt die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Mehrheit der versammelten Bürger bekannte sich zur Reformation. Der Stralsunder Knipstro wurde Pastor an St. Nikolai, Ketelhot bekam zusammen mit Kureke die Hauptpfarren und Aepinus verkündete am 5. November 1525 die neue Kirchen- und Schulordnung, die alsbald erstes Dokument dieser Art in Norddeutschland wurde. So hat die Reformation auch in Stadt um Umfeld deutliche Spuren hinterlassen. 85 Teilnehmer der Veranstaltung im Löwenschen Saal des Rathauses dankten Ch. Wunnicke für den sehr interessanten und faktenreichen Vortrag, der bei uns ein einprägsames Bild der damaligen Vorgänge hinterließ.

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