Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Partnerschaftliches …

10.08.2017, Lothar Lentz, Rostock
Dieser Brief bezieht sich auf den Artikel "»Zwei Städte – viele Gemeinsamkeiten«"
im Rostocker Blitz vom 06.08.2017

Ich bin gebürtiger Stettiner, Jahrgang 1930. Ich habe die Stadt als meine Heimat kennen und lieben gelernt, als man sie und Erfurt die »Grünen Städte Deutschlands« nannte. Ich habe in Luftschutzkellern gebangt und gezittert als sie in Trümmer gebombt wurde (mir schwebt immer noch die Trümmerwüste Altstadt vor Augen); habe dort auch noch im Sommer/Herbst 1945 gelebt, bei der polnischen Stadtverwaltung als Laufbursche gearbeitet. Und ich habe erlebt, wie sie nun wie »Phoenix aus der Asche« wiedererstanden ist. Vor Monatsfrist erst war ich das jüngste Mal zu Besuch dort. So war ich gespannt auf die zum Anlass der 60-jährigen Partnerschaft meiner – inzwischen seit gut 50 Jahren – Heimatstadt Rostock mit Szczecin gezeigte Bilder-Ausstellung Alexander Dettmars. Leider wich die Spannung bald der Enttäuschung. Das was Herr D. als Hafen Stettin oder Hafen Rostock benennt, könnte auch Hafen Honolulu sein oder auf Hokkaido oder gar Port of (N)irgendwo genannt werden. Beziehungslose Bilder. Meine Taufkirche St. Jakobi habe ich nicht »wiedergefunden«, wie ich sie kenne, … noch vor vier Wochen gesehen habe. Es muss auch sehr neblig gewesen sein als Herr D. in Szczecin die Brücken sah, so wie auf seiner Malerei sahen, sehen diese »Wege über die Odra« keineswegs aus. Brücken verbinden doch …! Ich fragte eine Dame, ob sie als Kind so gespielt habe, wie es Herr D. aufs Leinen brachte. »Nein, so steif und ernst haben wir nie gespielt«, musste ich mir anhören. Und so ist noch manche Frage zu den Malereien offen. Sicher ist nicht alle Tage Sonntag, aber mehr helle Farbe hätte ich mir schon gewünscht, strömen doch die mehrheitlich dunklen nicht unbedingt Optimismus und Lebensfreude aus … und die hätte doch die 60-jährige Partnerschaft der beiden Ostseestädte wirklich verdient. Mehr davon in den Bildern und vor allem mehr Ähnlichkeit hätte ich mir sehr gewünscht. Jeder hat aber halt seine Sichten und die stimmen natürlich auch nicht immer mit der Realität des Lebens überein. Ich habe übrigens aus vergangenen Urlauben eine viel freudigere, erinnernde Sicht auf Freiburg, obwohl das Schicksal dieser Stadt gleich am Beginn des Zweiten der Großen Kriege übelst mitgespielt hat. Wenn am Anfang der Ausstellung in den biografischen Notizen über Herrn Dettmar aufgeschrieben ist, dass seinetwegen 1999 die »Alten Meister« in der Ausstellung in Worpswede »abgehängt« wurden, kann das durchaus für die Meister sprechen. Ich bin gespannt, was die Societät nach dem 25. August bietet.

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