Mecklenburger Blitz Verlag

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Ist doch immer dasselbe!

05.12.2017, Olaf Stumpp, Schwerin

Gestern war ich auf dem Schweriner Weihnachtsmarkt. Das hätte ich mir sparen können. Das ist doch immer dasselbe. Und die Bratwurst ist auch schon wieder teurer geworden. Allein schon dorthin zu kommen, ist ein Akt. Die sollen erstmal 500 kostenlose Parkplätze auf dem Marienplatz einrichten. Ich fahr doch nicht mit der Straßenbahn dahin. Und dann waren da ja Massen. Ein Riesengedränge, als ob es was umsonst gibt. Ständig wurde ich angerempelt. Können die nicht aufpassen? Ich konnte nicht eine vernünftige Nachricht in mein Smartphone tippen.

Plötzlich kommt da so eine Tussi vom Ordnungsamt auf mich zu und meint, ich solle meine beiden Pitbulls an die Leine nehmen und ihnen einen Maulkorb anlegen. Hallo? Gehts noch? Ich sag zu der: ,,Alter, du siehst doch, dass ich alle Hände voll habe mit Mutzen, Kaffe to go und Handy. Wie soll ich da denn noch 'ne Hundeleine halten. Geht's noch, Alter?". Und Maulkorb? Sowas besitz ich gar nicht. Wenn die Leute mir nicht ständig vor die Füße latschen, passiert auch nichts. Die sind doch selbst schuld, wenn sie gebissen werden.

Und teuer ist das da! Für das Geld könnte ich mir fast schon wieder ein neues Tattoo stechen lassen. Außerdem ist es dort saukalt. Da gehört eine Fußbodenheizung rein, im gesamten Boulevard-Bereich. Das kann doch nicht so schwer sein. Im Straßenaufreißen ist Schwerin doch sowieso Spitze. Dann muss da Schnee hin. Jeden Tag 1 Meter Neuschnee, aber akurat weggeräumt. Ich will ja nicht ausrutschen. Aber den Winterdienst in Schwerin kanns't ja sowieso vergessen. Wenn ich da was zu sagen hätte, der Weg vor meinem Haus wäre schon morgens um 6 Uhr blitzblank gefegt.

Horst Lichter sollte mir meine Bratwurst zubereiten und Helene Fischer 13 Stunden täglich im Minirock zusammen mit der Staatskapelle die schönsten Weinachtslieder singen. Und immer schön lächeln. In jeder Bude muss ein 40 Zoll HD Flachbildfernseher hängen, Minimum, damit ich nichts vom Fernsehprogramm verpasse. Stündlich Höhenfeuerwerk mit Lasershow und kostenloses W-Lan im Kinderkarussell sind ja wohl selbstverständlich. Damit meine Kiddies sich während der Fahrt bei Facebook einloggen können. Naja, wenigstens kann ich dort zusammen mit den anderen Eltern noch ungestört rauchen. Aber wahrscheinlich verbieten die das auch bald.

Das Wichtigste aber ist, dass da endlich der Weihnachtsmann auftaucht, und zwar der echte aus der Coca-Cola-Werbung von 1931 und keiner mit falschen Bart, der sich so was dazu verdienen will. Und Geschenke für mich soll er mitbringen. Ich brauch neue Alufelgen, eine XBox mit 500 GB und eine Lederjacke, Farbe salbeigrün.

So muss ein Weihnachtsmarkt sein. Ich bin ein Schweriner anno 2016. Ich kann nicht einfach entspannt und vorurteilsfrei über den Weihnachtsmarkt bummeln, mich mit Freunden oder der Familie an den Lichtern und Düften erfreuen und einfach eine gute Zeit haben. Wie öde ist das denn?

Deshalb gebe ich mich wieder der Volkskrankheit Meckern hin, unter der ich auch leide und sage: Is doch immer dasselbe auf dem Weihnachtsmarkt. Und die Bratwurst ist schon wieder teurer.

 

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