Mecklenburger Blitz Verlag

Das Anzeigenblatt für Mecklenburg-Vorpommern

Halbherzig

18.05.2017, Willi Lauterbach, Schwerin

Halbherzig wendet man sich heute gegen ewig gestrige Rechtsextremisten, doch Antifaschisten und ihren mutigen Kampf verschweigt man. Anlässlich seines 70. Todestages erinnere ich daher an den Antifaschisten Hans Kahle. Das sein Name 1990 in Schwerin aus dem Stadtbild entfernt wurde halte ich für falsch. Hans Kahle nahm als junger Offizier am 1. Weltkrieg teil und zog aus diesem Völkermord seine Lehren, lernte Kaufmann und arbeitete in diesem Beruf bei seinem Onkel in Mexiko. 1928 trat er in die KPD ein und meldete sich im Radio und in der Presse gegen neue Kriegsgefahren zu Wort. Seit 1936 kommandierte er die Thälmann Brigade und dann die Ebro Front für die Spanische Republik. Er wurde wie viele Spanienkämpfer nach der Niederlage in Katalonien in Frankreich interniert, floh nach England und wurde mit dem Kriegsbeginn als Deutscher erneut auf der Insel Man interniert. Nachdem er freikam, schrieb er für britische Zeitungen gegen den verbrecherischen deutschen Vernichtungskrieg. Im Februar 1946 nach Deutschland zurück gekehrt, hoffte er endlich etwas für ein antifaschistisch demokratisches Deutschland tun zu können und übernahm die Leitung der Polizei in MV. Die Last des Kämpferlebens ließ ihn nicht alt werden. Er starb 1947.

Zu seinem Kampf in Spanien habe ich als Reservist im »Hans Kahle Regiment« in Stern Buchholz einen Klubabend durchgeführt. Heute erwähne ich gerne aus den Erinnerungen von Ludwig Renn eine Begegnung von Hans Kahle mit dem französischen Major Dumont, der Kommandeur des Bataillons »Commune de Paris« ist. Ich erinnere mich sinngemäß, dass sich beide im 1. Weltkrieg als Kompanieführer gegenübergelegen haben. Auf diese Wiederbegegnung stoßen sie hier mit spanischem Wein an (Ludwig Renn: »Der Spanische Krieg«, Verlag Das Neue Berlin, 2006, S. 97). Beide haben auch heutigen Generationen das Lernen aus der Geschichte vorgelebt.

Willi Lauterbach, Schwerin

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