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Leserbriefe
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März 2012

Leserbriefe 56 bis 60 von insgesamt 87
Burnout - ein Problem unserer Gesellschaft
11.03.2012

Diagnose : BURNOUT

Wenn der Stress übermächtig wird, man sich weit über die eigenen

Grenzen hinaus belastet, machen Körper und Geist nicht mehr mit.

Völlig ausgebrannt - gerade Frauen sind davon immer häufiger

betroffen.

Frau- Sein heute ist hingegen immer mehr von einer unglaublichen Vielfachbelastung gekennzeichnet: Viele wollen und dürfen sowohl

ihren beruflichen Weg gehen als auch Kinder haben- und sich nicht für das eine oder andere entscheiden müssen.

Dennoch leisten Frauen auch heute noch den Hauptanteil an unbezahlter und sozial weniger anerkannter Familienarbeit. Wie sieht es nun in der Arbeitswelt aus für die Frauen ? Spätestens mit Schwangerschaft und Elternzeit droht ein Karriereknick. In Deutschland ist es für Frauen besonders schwer: Nicht nur das Wort Rabenmutter eine urdeutsche Erfindung, auch ist es beinahe unmöglich eine passende Kinderbetreuung zu finden. Aber die Frau muss schon,, Ihren Mann stehen”- in jeder Hinsicht. Bis dann irgendwann- oft in einem Alter ab 40 - nichts mehr geht auf einmal.

Alles was sonst so leicht und locker von der Hand ging: Aus und Vorbei oder wie der Franzose sagt: rien ne vas plus, nichts geht mehr.

Arbeitseifer, Begeisterung, unbändiger Elan und Idealismus schlagen plötzlich um in Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und Lustlosigkeit.

Die Summe daraus heisst Burnout- Ausgebrannt.

Frauen sollten das Leben in die Hand nehmen, sich nicht länger als Opfer sehen sondern als Handelnde.

Den Männern ebenbürtig, aber nicht ehrfürchtig gegenüber, Frauen die ,,ihre Frau stehen”. Wir, auch Männer, dürfen gespannt sein




von: Martin Wienholdt, Neubrandenburg
Desaster- Darwineum
10.03.2012

Was treibt der Zoodirektor für ein falsches Spiel. Wer erinnert sich noch an die Anfänge 2003 mit der Spendenaktion „Schaffen für die Affen“? Ein Neubau sollten die Lebensbedingungen der Menschenaffen verbessern. Für dies löbliche Ziel konnten 920.000 Euro eingesammelt werden. Die Zoo- Leitung plante indes ein gigantisches 22 Millionen Projekt mit Namen Darwineum. Die Spendengelder wurden als Eigenanteil deklariert und 18,3 Millionen EU- Fördergelder beantragt. Drei Millionen Euro nahm der Zoo als Kredit auf und plant die Refinanzierung über gesteigerte Eintrittszahlen zu realisieren.

Der Baubeginn startete sehr unglücklich, als man den Freizeitsportlern im Barnstorfer Wald einfach Zäune quer in die Laufstrecken stellte. Proteste blieben ungehört und der Lächerlichkeit preisgegeben. Bei einer Unterschriftenaktion kam es zu fragwürdigen Ungereimtheiten bei der Stimmenauszählung.

Ein fader Beigeschmack einer Trias von Tricksen, Tarnen, Täuschen begleitet die Entstehung des Darwineums. Hier wird sehenden Auges mit sehr viel öffentlichen Geldern ein Projekt geschaffen, dass eine Unsumme von Folgekosten produziert. Nun werden drastisch erhöhte Eintrittspreise präsentiert, die alles andere als geeignet sind, die Besucherzahlen zu erhöhen. Aber was macht das, wenn man letztlich doch alles auf die „dummen und entmündigten“ Steuerzahler abwälzen kann. Hier sollten die Verantwortlichen auch persönlich in die Haftung genommen werden.




von: Hans Schreiber, Rostock
Nicht nur Lippenbekenntnisse
09.03.2012

Anlässlich der Entscheidung des Betriebsausschusses der Kurverwaltung Binz, die geplante Veranstaltung des Regenbogenvereins Stralsunds nicht zu genehmigen, erklärt der Landesvor- sitzende der Jungen Liberalen (JuLis) Mecklenburg und Vorpommern e.V., Robert Zilm, in Rostock: »Die Abwägung der Gemeinde Binz, dem Schutz von betrunkenen Personen an Himmelfahrt größeren Vorrang einzuräumen, als einer Aktion für Freiheit, Gleichberechtigung und Toleranz zeugt von einem tradiertem Gesellschaftsbild des 19. Jahrhunderts.

Die Gastfreundschaft und Toleranz gegenüber Gästen, von denen die Gemeinde Binz seit Jahren lebt, darf nicht bei zahlenden Touristen aufhören. Es wird Zeit, dass auch Binz in der heutigen Gesellschaft ankommt und Freiheit, Gleichberechtigung und Toleranz nicht nur als Lippenbekenntnisse vor sich her trägt.«

Der Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen Vorpommern-Rügen, Sebastian Koth, ergänzt: »Wir fordern daher die Gemeinde Binz auf, ihre Entscheidung zu revidieren und dem Regenbogenverein Stralsund umgehend eine Möglichkeit einzuräumen den geplanten Informationsstand durchführen zu können.«




von: Sebastian Koth, Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen Vorpommern-Rügen
Rentenpolitik an den Rand gedrängt
09.03.2012

Während im politischen Tagesgeschehen – wie z.B. der Euro-Krise, der Neuwahl des Bundespräsidenten, oder Lösungswege zu den Konfliktherden im Nahen Osten und der Kriegsführung in Afghanistan und andere eine dominierende Rolle einnehmen, sind die Fragen der Rentenpolitik nahezu an den Rand gedrängt worden. Es ist ein Irrtum zu glauben, allein die Erhöhung des Rentenwertes Ost sei ein Schritt dazu. Die nun schon lange bekannte Erhöhung um 3,2 Prozent löst nicht die anstehenden und offenen Rentenfragen, wie sie am 24. 2. 2011 in den 19 Anträgen der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag zur Überwindung der Rentenungerechtigkeiten und zur Korrektur der Überleitung der DDR-Altersicherungen in bundesdeutsches Recht erneut beantragt worden sind. Zu diesen Anträgen hat das MdB Rehberg (CDU) festgestellt, dafür wäre ein Aufwand von sechs Milliarden Euro erforderlich, und das müsse im Interesse des Bundeshaushaltes und einer Vielzahl anderer Begründungen und altbekannter Argumentationen abgelehnt werden.

Im jetzt neu gebildeten Kreis Vorpommern-Rügen leben über 68.000 Rentnerinnen und Rentner; alle sind an diesem staatlich verordneten Einsparungsmodell beteiligt – und das nun schon über einen Zeitabschnitt von mehr als 20 Jahren in anteiligen Größenordnungen.

An den jetzt aus dem Amt geschiedenen Bundespräsidenten Wulff, die Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel, den Präsidenten des Bundestages Prof. Lammert und den ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes Prof. Papier hat das Rechtsanwaltsehepaar Dr. Ingeborg und Dr. Karl-Heinz Christoph am 13. 8. 2010 in einem Brief ihre Erwartungen im 20. Jahr nach dem Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland zum Ausdruck gebracht, dass auch für sie als selbst Betroffene in der Rentenpolitik wirksame Maßnahmen zur Überwindung der tiefer gewordenen Spaltung eingeleitet werden.

Wörtlich stellen sie fest: Frech wird behauptet, die aus der DDR kommenden Rentner wären die Gewinner der Einheit. Sie verweisen u.a. drauf, dass bereits vor 16 Jahren der Abgeordnete Dreßler für die SPD im Bundestag erklärte: »Wir fordern die Abschaffung des Rentenstrafrechts .... um des Rechtsstaates willen,« so geschehen am 26. Januar 1995 in der Rentendebatte.

Mit ist nicht bekannt, dass es auf diesen Brief bisher eine Antwort gegeben hat. Die Koalitionsregierung sieht Probleme in Rentenfragen vor allem und immer nur darin, keine neuen Ungerechtigkeiten schaffen wolle und gesteht damit ein, dass es solche gibt – in großer Anzahl, den Grundsatz, gleiche Renten für gleiche Lebensleistungen zu gewähren, nun schon mehr als zwei Jahrzehnte ignorierend.

Im Land Mecklenburg-Vor­pommern trifft das auf über 577.000 Rentenzahlungen zu.

Was im Koalitionsvertrag fixiert und von der Bundeskanzlerin anlässlich des 9. Seniorentages im Juli 2010 in Leipzig erklärt worden ist, nämlich in der ersten Hälfte der jetzt laufenden 17. Legislaturperiode des Bundestages ein einheitliches Rentenrecht zu schaffen, das ist in weite Ferne gerückt worden. Die Bundestagsdebatte zu Rentenfragen am 16. 12. 2011, zu fünf Anträgen der Oppositionsparteien von SPD, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und der Partei DIE LINKE differenzierten Inhalts lässt nach dem Protokoll nur die Schlussfolgerung zu: Das Rentenunrecht soll zementiert werden, es soll weiter Bestand haben. Die Überweisung der Drucksachen an die Ausschüsse des Bundestages zur weiteren Beratung war für Frau Dr. Martina Bunge – MdB der Fraktion DIE LINKE – Veranlassung zu erklären: Es darf keinen Schlussstrich geben! Nicht nur, dass der Ostbeauftragte der Bundesregierung, das Mitglied der CDU und MdB, Dr. Christoph Berger – in den Bundestag gewählt in Sachsen-Anhalt – bereits am 17. Oktober 2012 im DGB-Berik Halle die Auffassung vertrat, es gebe entweder die Angleichung des Rentenwertes an den Westwert oder die Beibehaltung der Entgeltaufwertung; beides zusammen sei eine Bevorteilung der Ostrentner. Das ist sowohl eine Absage an das Versprechen der Kanzlerin in Leipzig und an das, was im Koalitionsvertrag steht.

Das Jahr 2011 hat bereits am 24. Februar mit der Diskussion im Bundestag über die von Fraktion der PARTEI DIE LINKE erneut eingereichten Anträge zur Überwindung der Rentenungerechtigkeiten und zur Korrektur der Überleitung der Alterssicherung der DDR in bundesdeutsches Recht einen Prägestempel von hoher Qualität in der rentenpolitischen Auseinandersetzung erhalten. Die Regierung wurde erneut gezwungen Standpunkte zu beziehen, um nach 20 Jahren des Kampfes um Rentengerechtigkeit für die Beitrittsbürger endlich die entscheidenden Schritte zu tun. Zu den 19 Anträgen mussten 10.905 Stimmen angegeben werden. Auch wenn die Anträge mit Stimmenmehrheit abgelehnt worden sind, hat sich das Abstimmverhalten der Mitglieder des Bundestages gegenüber dem 28. Mai 2009 verändert; die Delegitimierungspolitik soll weiterhin Bestand haben.

Das Ehepaar Christoph hat das im Brief an die Persönlichkeiten der BRD wie folgt dargestellt: »Heute erleben sie... die DDR-Bürger...statt Anerkennung ...Verständnislosigkeit und Verdächtigungen volksverhetzende Diskriminierungen, Schuldzuweisungen Missgunst und schlimme Altersdiskriminierung. Staatlich gebilligte Unwahrheiten und volksverhetzende Parolen gegenüber den aus der DDR kommenden Bürgern haben einen gefährlichen Unfrieden verursacht.«

An der Ernsthaftigkeit der Regierung am Berentungssystem positive Veränderungen für den Beitrittsbürger herbeizuführen und die Zusagen der Kanzlerin einzulösen haben Zweifel ihre volle Berechtigung. Das bringt auch der Rentensicherungsbericht 2011 zum Ausdruck. Nicht Angleichung der Renten steht auf der Tagesordnung sondern die weitere Differenzierung des Bestehenden wird verkündet: die Rentenwertdifferenz soll dann 2015 »nur noch« 286 Euro betragen bei einem Rentenwert von 26,64 Euro. Gegenwärtig beträgt die Rentenwertdifferenz 3.10 Euro. Damit ist das Fortbestehen der gegenwärtigen und seit mehr als 20 Jahren bestehenden Rentenreduzierungen bereits festgeschrieben.

So sehen und nicht anders sehen die Realitäten in der Rentenpollik der Bundesregierung aus. Dennoch allen Widerständen zum Trotz hat unsere nunmehr mehr als 20 jährige Arbeit im Kampf um Rentengerechtigkeit viele Erfolge gebracht; das sollte nie vergessen werden. Für alle Rentnerinnen und Rentner, aber auch für die, die vor der Berentung stehen, besteht die Aufgabe darin, die Stimme laut und vernehmbar nach Gerechtigkeit im Rentengeschehen zu erheben, denn Renten sind keine Almosen des Staates sondern durch Beitragsleistungen gesicherte Ansprüche. Das allein ist die Garantihe dafür, dass das jetzt immer noch fortbestehende Rentenunrecht durch politische Willensbekundungen der Bürger in aller Art und jeder Form gültig beseitigt wird.




von: Wilhelm Bente, Stralsund
Wo Kultur stirbt, stirbt Bildung!
09.03.2012

»Was für ein armes Land sind wir doch geworden. Arm an Geist. Nun lassen wir Wirtschaftsprüfer über Kunst entscheiden. Die Sparpläne für das Staatstheater bedeuten Arbeitsplatzverlust für die Kolleginnen und Kollegen und, mit dem Wegfall des Mehrspartentheaters, einen dramatischen kulturellen Verlust für die gesamte Region. Das dürfen wir nicht einfach so hinnehmen und zur Tagesordnung übergehen. Wo Kultur stirbt, stirbt Bildung! Es ist nicht nur der Besuch im Theater selbst, der schon für die

Kleinsten eine große Bereicherung und Erkenntnisgewinn darstellt. Die Künstlerinnen und Künstler sind in der Region zu Hause. Von ihnen profitieren Ganztagsschulen, Vereine, Kunstschulen. Sie beleben mit eigenen Ideen und Vorstellungen das kulturelle Leben der Städte und Dörfer. Ja, der demografische Wandel ist eine Herausforderung! Und ja, man muss vorausschauend haushalten! Doch die Landesregierung muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie lieber Geburtshelfer oder Totengräber ist? Ein Land, in dem sich die Menschen nicht mehr wohlfühlen oder in dem sie keine Arbeit mehr bekommen, ein leeres Land also, braucht keine Autobahnen, keinen Snow-Fun-Park, keine Einkaufsgalerien und auch kein 5-Sterne-Hotel in Heiligendamm, das mit 50 Millionen Euro aus der öffentlichen Hand gefördert wurde. Wir sollten nicht aus dem Auge verlieren, dass Unternehmensansiedlungen durchaus nach den »soften« Standortfaktoren ihre Entscheidung für oder gegen einen Standort treffen. Auch Junglehrer entscheiden sich meistenteils lieber für Orte, an denen »etwas los« ist. Dies zu berücksichtigen ist ebenfalls Aufgabe der Politik. Wir brauchen ein klares Bekenntnis der Landesregierung zu Mecklenburg-Vorpommern als Standort für Bildung und Kultur! Den Beschäftigten des Mecklenburgischen Staatstheaters sprechen wir hiermit unsere Solidarität aus und sichern ihnen unsere Unterstützung zu.«




von: Anett Lindner, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft