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Leserbriefe
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Februar 2012

Leserbriefe 1 bis 5 von insgesamt 53
Sehr geehrter Herr Gauck,
22.02.2012

ich kann mich um Ihre Kandidatur nicht freuen.

Sie haben sich laut Ihrer Möglichkeiten für Menschenrechte in der DDR

stark gemacht, unter dem Schutz der Kirche, das haben aber andere unter

schlechteren Vorgaben auch getan. Dadurch hatten Sie eine „lautere“

Stimme und damit auch das Recht bekommen Ihre Meinung öffentlich zu

äußern und nach der Wende einen Posten zu ergattern. Das Sie von Frau

Merkel nicht unterstützt wurden liegt daran, Sie wissen mehr um die

Zusammenarbeit der Frau Merkel mit dem Unrechtsregime der DDR. Das Sie

zulassen, dass Frau Merkel sich auf der Pressekonferenz mit Ihnen und

den anderen Freiheitskämpfern auf eine Stufe stellt, wo Frau Merkel bis

zum Schluss zugeschaut hat, wie die Menschen in der DDR erschossen und

eingesperrt wurden, lässt die Vermutung zu, Sie vertreten nicht das

Volk, Sie sind dem Betrug erlegen.

Ich habe meine Kandidatur rechtzeitig eingereicht und werde beschnitten,

weil man keinen aus dem Volk will, um sich nicht in die Karten schauen

zu lassen.

Sie sind zwar in keiner Partei, Sie gehören aber einer

Glaubensgemeinschaft an, die aus Ihrer Geschichte und Ideologie sich

nicht für Demokratie stark macht.

Die Kirche darf in unserem Staat kein Sprachrohr bekommen, wir müssen

freigeistig argumentieren und erziehen.

Stellen Sie sich der Wahl und mogeln Sie sich nicht durch Ihren

Bekanntheitsgrad in ein Amt, was für Sie einträglich ist, aber für das

Volk nie von Nutzen sein kann.

Herr Heinemann war noch Bürger-Präsident, Sie werden Präsident Gnaden

einer politischen Gruppierung, die sich zur Aufgabe gestellt haben,

unsere Lebensgemeinschaft des Wachstums wegen zu zerstören.




von: Frank Poschau, Padenstedt
Wat is wulffen?
22.02.2012

Dei jungen Lüd sünd doch up’n Kien! Dat is noch gor nich lang her, dor hemm’ all œwer Korl Theodor tau Guttenbarch (Johrgang 1971) ut Guttenbarch in Oberfranken schnackt. As Afkömmling von’n ollen Adel hett hei 10 Vörnåmen krägen un studiert Jura, måkt 2006/07 sienen Dokter un spält dornåh denn Gesellschafter vonne Guttenberg GmbH, ward CSU-Mitglied un kümmt œwer denn CSU-Verband Guttenbarch in’n Kulmbacher Kreisdach un låters sogor in’n Bunnesdach. As rutfunnen wür, dat dei grienig blachbläudig Minister tau Guttenbarch in sien Dokterarbeit väl afschräben harr un disse Gedanken nich in „Gäusfäut“ sett’t hett, keem hei mit inne Predulch. Tauierst versöcht hei sik ruttauräden, denn äuwt hei an sik sülben lütt bäten Kritik un denn fangt dei Ministersessel von denn taukünftigen Kanzlerkannedaten doch düchtig an tau wackeln. Hei lött un kann sik nich mihr hollen, mœt sienen Haut nähmen un wannert ut nå Amerika. As dat so wiet wier, harr dat Wurt „guttern“ all för dat sienen Platz inne dütsche Jugendspråk funnen, wat tau Guttenbarch måkt hett: von anner klauke Lüd afschrieben, inne eigen Dokterarbeit upnähmen un allens för sien eigen Gedanken utgäben.

Nu is „wulffen“ dat niege Wurt un dor kümmt wedder dei Fråch up, wat dat denn is. Dit Würt kümmt von dat, wat Wulf as Ministerpräsident von Neddersassen måkt hett un em nu as Bunnespräsidenten up’e Fäut föllt. In Gägensatz tau unsen iersten Rücktrittskannedaten hett Christian Wulff (Johrgang 1959) blot 3 Vörnåmen un wasst nich in ein Schlott up. As hei twei Johr olt is, låten sik dei Öllern scheiden. Hei blifft bi sien Mudder, besöcht dei Schaul un studiert dei Juristerie. In disse Tiet ward hei all Maat inne Junge Union un måkt bald as CDU-Baas in Osnabrück/Emsland von sik räden. Drei Mål mœt hei hei Anlopp nähmen, üm Ministerpräsident von Neddersassen tau warden un as hei dat taun tweiten Mal ward un sik ok taun tweiten Mal mit ’n junge PR-Beråderin verfriecht harr, röppt man em nå Berlin. Ok hier ward hei ierst nå’n drüdden Wåhlgang dei niege Herr in’t Schlott Bellevue. Hei treckt as dei teihnte un jüngste Bunnespräsident mit sien Fru Bettina as dei jüngst „Fürst Lady“ aller Tieden in’t Schlott in un dei junge Fru an sien Sied måkt ut denn piefigen Fürsten ut’e Provinz ’nen Grotstadtpoletiker, gifft em denn nödigen Schnied un böcht em dat Grienen as Deil von sien Körperspråk bi. Un wägen sien „Wulffen“ is hei ok dei Bunnespräsident, wecker dei körtste Tied in Bellevue dat Seggen harr. Tiedungslüd sünd achter son’n por nich ganz kosche Såken kåmen, höllen dei för verdächtig un wullen dat inne Tiedung setten. Wulff kreech Wind dorvon un schrifft ut’n Utland einen Jornalisten in Dütschland up’n Nåhrichtenupnähmer vör, disse Såk in’n Tausamenhang mit dei Person Wulff nich inne Tiedung bekannt tau måken. Dor hemm’ dei iersten all an „wulffen“ dacht. Œwer denn keem noch dat ein un anner ut dei Minister-

präsidententiet n rut un bald is klor: dei ümmer grienige Wulff kennt as Jurist nich so würklich dei Scheer twüschen Ethik un Moral un œwersüht dei Gefohren twüschen Poletik un Kapitål. Hei lecht sik allens so taurecht, as hei dat bruken kann, höllt af un an wat achtern Barch, schwiecht œwer lütte Geschenke un lött nich mihr kieken, as hei för nödig höllt. So hett Wulff wull nie nich würklich lågen, œwer ok nie nich würklich dei Wohrheit secht. Un disse Oort Ümgang mit anner Minschen is dat würklich „Wulffen“. „Wulffen“ hett em nu inbröcht, dat hei mit Bettina Schlott Bellevue verlåten mœt. Nå disse korte Amtstiet blieben Bettina un Christian Wulff noch dei Tauversicht up denn Ihrensold von 199.000 Euros in’t Johrt bet an ehr seelig Enn’. Dorför wür ik ok mål por Dåch in Bellevue intrecken un denn Bunnespräsidenten spälen.




von: Behrend Böckmann
Starker Auftritt in Hamburg
21.02.2012

In den neunziger Jahren wurde Georg Kossert mit dem ESV Sassnitz Landesmeister norddeutscher meister und dritter bei den deutschen Meisterschaften im Mix-Volleyball.

Diese Erfolge moechte der jetzt fast 57-jaehrige vom SSV91

Binz gerne wiederholen,allerdings in der Seniorenleichtathletik.Sein letzter Wettkampf lag diesbezueglich fast 40 Jahre zuruek.Bei den gemeinsamen Landesmeisterschaften von Schleswig,Hamburg und Meck-Pomm. in Hamburg am 19.Februar belegte der Selliner ueber 60m in der Altersklasse 55-60 in der Zeit von 9,01 sekunden den 2. PLatz.Der Sieger Weltmeisterschaftsteilnehmer und Seriensieger der letzten Jahre,Heinz Baseda aus Hamburg,sprintete 8,80 sekunden.Damit ist Georg der beste Sprinter in seiner AK in MV.Gleichzeitig hat er den Mindeststandart fuer die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft von 9,35 Sekunden klar unterboten.Sein Ziel sind aber erst einmal die Norddeutschen Meisterschaften im Juni in den Disziplinen 100m,200m,Weitsprung und Speerwerfen.Ueberdies wurde Georg jeweils vierter im Weitsprung und im Kugelstossen,obwohl die Vorbereitung gerade einmal vier Wochen betrug.Da die vor ihm platzierten Athleten aus Schleswig bzw. Hamburg kommen,fuehrt Georg auch hier die aktuelle Bestenliste in seiner AK in MP an.Interessenten fuer die Seniorenleichtathletik sind beim SSV91Binz herzlich willkommen.




von: Anonym, Sellin (Name dem Verlag bekannt)
Was tun wir heute dagegen?
21.02.2012

Der monatliche Vereinsabend des Vereins »Klönsnack – Ros­tocker 7« verlief am 16. Februar einmal ganz anders als sonst: Anlass war das Vorlesen aus dem jetzt erschienenen Buch von Vereinsmaat Kurt Kaiser »Zehn Ros­tocker Ströper des Jahrgangs 1926«. Dem betagten Autor vom Jahrgang 1926 ließen aktuelle politische Entwicklungen in Verbindung mit Kindheitserinnerungen keine Ruhe. Und so hat unser Autor unterhaltsam und sehr geschickt Kindheit, Jugend und Schicksale von zehn (ihm namentlich bekannten) Kindern aus der Nördlichen Altstadt miteinander verwoben, wobei er das politische Zeitkolorit immer durchscheinen lässt. Mit der heutigen Sicht weiß man, wie sehr diese kleine Gruppe Kinder durch Erziehung und Umwelt beeinflusst wurde und welchen Lebensweg sie einschlagen würden oder mussten.

Drei Vorleser aus dem Verein lasen abwechselnd Episoden vor, die unbedingt neugierig machten, das Buch im Ganzen zu lesen, zumal es sehr geeignet ist, jungen Menschen aufzuzeigen, wohin Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber politischen (Fehl-) Entscheidungen führen können und wie schnell man der Nazi-Ideologie verfallen konnte.

Am Schluss des Buches treffen sich die übrig gebliebenen zwei alten Freunde als 86-Jährige wieder einmal in ihrem alten Lokal. Sie bekommen nur knapp einen Stuhl, denn der Wirt hat jetzt »neue Gäste» und hat viel zu tun: nebenan in der Kegelbahn wird viel Bier und Schnaps bestellt. Während aus fast 20 Kehlen immer mal wieder ein zackiges »Sieg Heil!« gebrüllt wird, ertönt dazwischen das »braune« Lied, das von den Ströpern schon in den 30er Jahren gedankenlos mitgesungen wurde.

Was haben wir dagegen getan? Und was tun wir heute dagegen?

Eine lebhafte Diskussion folgte der Lesung, an der sich auch etliche Gäste wie Prof. Methling (DIE LINKE), Juri Rosov (Jüdische Gemeinde), Jürgen Weise (Geschäftsführer VVN/BdA) u.a. beteiligten. Vor allem wurde über Möglichkeiten eines NPD-Verbots diskutiert und hierfür eine Eintragungsliste herumgereicht.

Vereinsmaat Achim Kleffe umrahmte den Abend mit Liedtexten von Reinhard Mey und Wolfgang Mahnke an der Gitarre.




von: Erika Fäcks
Die Doppelmoral der Politik
20.02.2012

Kapitalistische Staaten sind dem Schein nach bürgerliche Demokratien und dem Sein nach Diktaturen des Geldes. Wer in der Schule und in der Weiterbildung aufgepasst hat, weiß, dass der Staat das Machtinstrument der herrschenden Klasse ist. Zur herrschenden Klasse gehören heute die Banker, die Konzernchefs, viele Manager u.a., also Menschen, die sehr reich sind und über das Geld und die Wirtschaft verfügen. Der Staat soll und muss der herrschenden Klasse helfen, nach Möglichkeit Maximalprofite zu erwirtschaften. Um dieses Ziel zu erreichen, beeinflussen Unternehmerverbände und Lobbyisten die Regierung und die Politiker in den Parlamenten. Diesem Zweck dienen auch Spenden der Reichen an Parteien, die die Politik der herrschenden Klasse am besten vertreten. Demokratie heißt Volksherrschaft, aber in Wirklichkeit herrschen in der bürgerlichen Demokratie die Repräsentanten des Großkapitals. In einem Brief des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages vom 9. November 2011 heißt es: »Das Grundgesetz gewährt den Bürgerinnen und Bürgern nur wenige direktdemokratische Entscheidungsmöglichkeiten auf Bundesebe­ne.« Das kann man ändern durch die Einführung unmittelbarer Bürgerbeteiligungen mit Hilfe von Volksbegehren und Volksentscheiden. Dazu müsste das Grundgesetz aber erst selbst einmal geändert werden. Volksbegehren und Volksentscheide nur auf Länderebene, das ist zu wenig, damit ist es nicht möglich, einheitliche Positionen und Sachverhalte für ganz Deutschland festzulegen bzw. zu schaffen. Volksbegehren und Volksentscheide auf Bundesebene würden sehr schnell zeigen, dass die Interessen des Volkes und die Interessen der herrschenden Klasse nicht immer übereinstimmen, z.B. am Krieg in Afghanis­tan und an der Abwälzung der Folgen der Finanzkrise auf das Volk. Wie zeigt sich nun die Doppelmoral der Politik? Im Grundgesetz steht: »Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.« Aber in der Realität werden oft an Repräsentanten der herrschenden Klasse bei Äußerungen, Fehlern, Vergehen, Straftaten nicht so strenge Maßstäbe – juristische, politische und moralische – angesetzt wie bei einfachen Menschen aus dem Volk. Die Reichen können sich, weil sie Geld haben, manchmal auch vor dem Gericht »freikaufen«. Wenn sie zurücktreten, »um ein Amt nicht zu beschädigen«, sind sie trotzdem besser als Menschen aus dem Volk dran, denn sie bekommen danach hohe Übergangsgelder und Pensionen. Aus diesen und anderen Gründen erleben die Menschen den Staat kaum noch als Demokratie. Eine echte Demokratie braucht den Volksentscheid – fordern wir diesen.




von: E. Hischer